Mittwoch, 20. Oktober 2010

November feeling

Es mag an der Jahreszeit liegen, dass manche von uns nachdenklicher werden. Die Tage werden kürzer und dunkler, die Zeit der Ernte ist nahezu vorbei, und das Feuerwerk der Natur ist ein letztes Winken und Fahnenschwenken, bevor sich alles zur Ruhe begibt. Für manche von uns ist diese leise Wehmut der Welt vielleicht spürbarer als für andere und ein Zeichen innezuhalten, zurück-, nach innen zu schauen. Manche von uns haben in dieser Zeit einen breakpoint, der uns stets wieder einholt.

Und dann schauen wir zurück und fragen uns nach dem Warum. Ob es hätte anders laufen können. Wie es ihm/ihr/ihnen jetzt wohl geht. Natürlich wissen wir, dass vergangen und unwandelbar ist, was hinter uns liegt. Natürlich wissen wir, dass das, was hinter uns liegt, uns zu dem gemacht hat, was wir jetzt sind.

Dennoch können wir manchmal nicht loslassen. Etwas nicht als erledigt abhaken und wegpacken. Manchmal tragen wir Dinge lange Zeit mit uns herum und können sie eine Weile ignorieren, bevor sie sich irgendwie wieder Bahn brechen und Raum fordern in unserem Dasein, zumindest aber in unserem Denken. Irgendwie, irgendwann lernen wir vielleicht, damit zu leben. Es zu ertragen.

Und Ihr, die Ihr solche Dinge wegsteckt, abarbeitet und beiseite packen könnt – Ihr wisst gar nicht, wie sehr ich Euch beneide.
Zu finden in: Über die Weiden geschaut

Freitag, 8. Oktober 2010

Projektwoche II

Nachdem der Auftakt eher auf eine Höllenwoche hat schließen lassen, endete die Projektwoche fast schmerzfrei heute nach der vierten Stunde gegen 11 Uhr.

Schrieb ich wirklich 11 … ?

08:56 Noch nicht lange im Büro – Computer gestartet, alle erforderlichen Programme geöffnet, ersten Cappuccino geholt – Handy vermeldet eine SMS. „Kannst du mich nach der 2stunde abholen? LG Tochterkind“

SMS zurück: „Aber liebes Tochterkind, ich bin hier im Büro und ARBEITE! Wie soll ich Dich denn abholen?“

09:02 Nächste SMS: „Bitte jetzt abholen“

Irritiert und besorgt verlasse ich das Funkloch in meinem Büro (hätte das Handy auf der anderen Seite der Tastatur gelegen, hätte ich nicht mal eine SMS bekommen …) und rufe das Tochterkind an, was denn passiert sei.

„Wir sind schon fertig, Mama, und alle anderen aus meiner Projektgruppe fahren jetzt nach Hause, bitte, bitte hol mich auch ab, sonst muß ich hier bis zur vierten Stunde alleine sitzen.“

Und das Kind war voller Unverständnis darüber, dass man nicht alles stehen und liegen lässt. Wo doch alle anderen
Zu finden in: Reiterstübchen

Donnerstag, 7. Oktober 2010

Wintersport

Seit kurzem ist in Ostfriesland die Wintersportsaison eröffnet.

Wenn Ihr dabei allerdings an Skilanglauf, Schlittenfahren, Eislaufen oder Hundeschlittenrennen denkt – weit gefehlt. Der Ostfriese im Winter boßelt.

Das geht folgendermaßen:

Jeden Samstag spätestens ab Mittag und jeden Sonntag ab halb Zehn schwärmen ganze Heerscharen von Einheimischen aus, immer in Gruppen, sorgfältig sortiert nach Alter und Geschlecht, oftmals angetan mit bunter Vereinskleidung, um kleine Holz- und Gummikugeln die Straßen entlangzuwerfen und dabei aus Leibeskräften zu brüllen. Gleichzeitig versuchen sie, jeden erreichbaren Platz entlang der Strecke mit Autos zu besetzen. Das führt dazu, dass du, nachdem du Stunden gebraucht hast, um aus deiner Einfahrt zu kommen, den Rest der Strecke im Schritttempo zurücklegst, weil du überall auf Boßelgruppen triffst, die die Straße nur widerwillig freimachen.

P.S. Sie trainieren jetzt für die Meisterschaft – wann immer es hell genug draußen ist, werden sich Horden von buntgekleideten Boßlern vor dem Haus sammeln und …
Zu finden in: Land und Leute

Dienstag, 5. Oktober 2010

Projektwoche

Die Schule unserer Kinder veranstaltet diese Woche eine Projektwoche. So etwas finde ich toll. Allerdings hätte ich nie mit solchen Auswirkungen auf unser familiäres Leben gerechnet.

06:15 Aufstehen. Frühstück vorbereiten, Essen zum Mitnehmen einpacken.
06:23 Tochterkind (Projektleiterin „Lyrik und Literatur“) aus dem Bett schubsen, weil sie ihren Wecker nicht gehört hat.
07:00 Tochterkind aus dem Haus befördern.
07:43 Zwei Weidezaunpfähle ersetzen, damit die Ponies und die Hengste nicht abhauen.
08:04 Expressduschen gehen.
08:22 Mit den Hunden starten.
08:35 Sohn (Projekt „Landwirtschaft“) ermahnen, rechtzeitig fertig zu werden. Zur Arbeit fahren.
11:28 Anruf von Sohn: „Kann ich den Kuchen essen und noch PlärrStation spielen, bis ich abgeholt werde?“
14:23 Anruf von Tochterkind: „Der hat alles rumliegen gelassen! Kann ich fernsehen?“
14:48 Anruf von Tochterkind: „Die Schule hat angerufen, du sollst Sohn abholen, der ist umgekippt.“
14:52 Alarmstart vom Parkplatz. Warnleuchte im Cockpit geht an.
15:20 Schwer lädiertes Kind mit blutigem Pflaster am Kinn an der Schule in Empfang genommen. Berichtet bekommen, Sohn sei bei der Besichtigung des eines Melkstandes umgestürzt wie ein Brett.
15:58 Eintreffen beim Hausarzt. Lesen der Bedienungsanleitung entschlüsselt Warnleuchte als „Problem in der Abgasanlage. Fachbetrieb aufsuchen.“ Toll.
17:03 Hausarzt stellt fest, das müsse genäht werden. (Ach.) Sämtliche Termine inzwischen geplatzt, weil kein Handyempfang, also keine Möglichkeit, irgendwas zu regeln.
17:14 Zu Hause. Nach dem Rechten sehen, ein paar Telefonate erledigen, ein paar Sachen fürs Krankenhaus zusammenpacken.
17:30 Anruf vom Projektbetreuer, wie es Sohn denn wohl ginge.
17:35 Auf ins Krankenhaus!
18:05 Ein paar kurzweilige Gespräche über Notfälle, Erstversorgung und das richtige Ausfüllen von Begleitzetteln.
19:40 Wieder zu Hause. Tochterkind gelobt für fleißiges Helfen. Sohn weggepackt, um Essen gekümmert. Katzenbande gefüttert, Hühner rein, Hunde raus. Kinder ins Bett befördert.
21:00 Projektbetreuer angerufen, neueste Erkenntnisse mitgeteilt, die Modalitäten des zweiten Projekttages besprochen.
21:20 Alles erledigt. Inclusive des Tages und meiner Person.

Ich bin schon so auf den Rest der Woche gespannt.
Zu finden in: Reiterstübchen

Montag, 4. Oktober 2010

Schade eigentlich ...

Da begegnest du diesem Kerl – groß, mit breiten Schultern, nett anzuschauen, gut riechend, mit so einem verheißungsvollen Funkeln in den Augen.
Er versteht es, geistreich zu plaudern, ist humorvoll, unterhaltend und wortgewandt; er ist höflich und zuvorkommend und besitzt gleichzeitig genau das richtige Maß an Frechheit und Unverfrorenheit.

Und dann steht er auf und geht, als wäre er an den Knien zusammengetackert.

Und du schaust hinterher und denkst dir: Wirklich schade.
Zu finden in: Reiterstübchen

Freitag, 10. September 2010

Raus!

Vorhin habe ich sämtliche Accounts eines Kollegen mit sofortiger Wirkung gesperrt …

Als er hier war, um das von ihm benutzte Firmeneigentum zurückzubringen und seine Sachen abzuholen, sagte er tapfer, das sei ihm ganz recht so, jetzt könne er gleich anfangen, Geld zu verdienen. Selbständig wolle er sich machen.

Aber seine Augen waren sehr dunkel und müde und von tiefen Schatten umlagert.
Zu finden in: Büroalltag

Mittwoch, 8. September 2010

Herbst ...

… wird es in Ostfriesland. Die Tage sind spürbar kürzer und nicht mehr so warm, es regnet, und der Wind frischt auf und rüttelt an Haus und Stall, um irgendetwas zu finden, was abzureißen sei …

Bald werden die Pferde aufgestallt. Und nichts ist wirklich fertig im Stall … Überhaupt ist nichts wirklich fertig. So vieles müsste in der unfreundlichen zugigen alten Butze im Haus gemacht werden; egal wohin ich schaue, überall schauen mich Dinge an und schreien: „Erledige mich! Mach mich fertig! Arbeite mich ab!“ Es scheint, als sei das Haus mit seinem Zustand so unzufrieden wie ich.

Unzufrieden bin ich. Unruhig, rastlos und zugleich müde, erschöpft und ohne Energie. Wenn ich nach innen sehe, finde ich, dass nur Weniges so ist wie ich es gern hätte.

Herbst …
Zu finden in: Reiterstübchen

Dienstag, 7. September 2010

Du ...

Der ostfriesische Mensch an sich snackt wull platt (= spricht ja Plattdeutsch), und das schon seit Jahrhunderten. Nun beinhaltet dieser Dialekt als einzige Anredeform das Du, was dem ostfriesischen Menschen an sich das Leben in der Moderne nicht wirklich einfacher macht. Vor allem die älteren Leute tun sich sehr schwer, wenn ihre (touristengewöhnten) Sprösslinge ihnen erklären, sie könnten nicht einfach wildfremde Leute duzen, obwohl sie das ihr Leben lang getan haben, und sich dann der Bekanntenkreis erweitert und sie sich einfach nicht mehr merken können, ob das ein Du oder ein Sie ist.

Mein erstes Gespräch mit meinem Chef: „Übrigens sagen wir hier in der Firma alle Du. Es sei denn natürlich, Du wolltest unbedingt …“ Und mein erster Gedanke ging zurück zu meinem Mathelehrer an der Berufsschule, der einst meinte, es sage sich immer leichter Du Arsch als Sie Arsch.

Recht hat er gehabt.
Zu finden in: Büroalltag

Utn Peerstall

Das sind keine Haflinger!

gerade im Stall:

Du bist nicht angemeldet.

Stallordnung

Alle Einträge von cu ruadh sind extrem subjektiv und aus persönlichem Erleben entstanden. Anmerkungen und Kommentare sind erwünscht, allerdings bitte ich um einen höflichen und freundlichen Umgangston. Kurz gesagt: Wer pöbelt, suche sich einen anderen Stall!

Besucher im Peerstall:


Aus der Hexenküche
Büroalltag
Einfahrt und Parkplatz
Land und Leute
Privat!
Reiterstübchen
Stall und Weide
Über die Weiden geschaut
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren