Reiterstübchen

Freitag, 1. April 2011

Jemand

Er hat wieder zugeschlagen, der Jemand, der heimliche Herumschleicher, dieser Knilch, den keiner zu Gesicht bekommt und der sich an allem ungefragt bedient.

Dieses Mal hat er nichts weggenommen, der Lump. Nein, dieses Mal hat ihn ein Stecker gestört, und den hat er abgezogen. Woraufhin sich der kleine Gefrierschrank abgetaut hat. Die Pfützen, die sich in der Waschküche gebildet hatten, hatten wir eigentlich den Hunden und dem Regen gestern zugeschrieben …

Nachdem nun also alles komplett aufgetaut und der größte Teil des Gemüses entsorgt ist, gibt es heute Abend dann wohl Fisch, und reichlich Hühnersuppe werde ich auch kochen müssen. Ach, und braucht noch jemand Weißbrot?
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Dienstag, 15. März 2011

Selbständig

Samstag.
Der Schatz und Cu werfen sich in Stall-Chic, um gleich ausmisten zu gehen. Sohn baut sich in der Tür auf und versucht, den Türrahmen möglichst auszufüllen.

Sohn: „Mama! Wir wollten doch Cracker backen!“
Cu: „Äh … ja … schau mal, hier ist das Rezept, vielleicht magst Du ja schon mal mit dem Teig anfangen.“
Sohn: „Rühren oder mit dem Knet-Dingsda?“
Cu: (überfliegt das Rezept) „Kneten. Und dann kalt stellen. Ruf mich in zwei Stunden, dann stechen wir aus.“

Zwei Stunden später taucht Sohn im Stall auf.

Sohn: „Wenn da 170 steht, was ist das dann? Dieses Ober-Unter oder das mit dem Ventilator?“
Cu: „Umluft, denk ich wohl. Du brauchst aber noch nicht vorheizen, ein bißchen brauch ich noch. Laß doch den Teig einfach noch im Kühlschrank.“
Sohn: (überlegt kurz) „Gut, dann stell ich ihn wieder zurück. Meinst Du, die Backbleche passen in den Kühlschrank?"
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Freitag, 25. Februar 2011

Eigenleben

Des Schatzes kleines Auto verweigerte den Dienst. Glücklicherweise arbeiten wir im gleichen Gebäude, also übernahm er noch ein paar meiner morgendlichen Tätigkeiten, was mir erlaubte, früher fertig zu sein und doch noch rechtzeitig zur früh angesetzten Besprechung zu kommen, und wir fuhren gemeinsam.

Später am Vormittag erreichte mich Schatzes Frage:

Schatz: „Und war die Unruhe wegen der Besprechung gerechtfertigt?“
Cu: „Wer war denn unruhig? Was für eine Unruhe?“
Schatz: „Du warst beunruhigt, das sieht man an Deinen Händen....“
Cu: „Ach? Was mach ich denn mit meinen Händen, wenn ich beunruhigt bin?“
Schatz: „Sie führen ein Eigenleben.“
Cu: „Eigenleben?! Was denn für ein Eigenleben?“
Schatz: „Deine rechte Hand zuckt am Lenkrad hin und her.“
Cu: „… !“

Tut sie gar nicht.
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Dienstag, 8. Februar 2011

Sonst niemand

Es gibt Dinge, die kann nur ich. Den Mülleimer mit einer neuen Tüte auskleiden beispielsweise oder die Milch in den Kühlschrank stellen. Feststellen, daß die Hunde kein Wasser mehr haben, und dem Mangel abhelfen. Im Garten unerwünschte Gewächse von erwünschten unterscheiden und erstere entfernen. Leere Umverpackungen in den Müll befördern. Meine Jacke aufhängen.

Auch alles, was mit Wäsche zu tun hat, kann nur ich. Und außer mir weiß niemand, was einzukaufen ist. Oder wo die Müllbeutel zu finden sind.

Was würden die bloß ohne mich machen?
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Montag, 7. Februar 2011

Papa ist umgezogen

Am Wochenende klingelte das Telefon …

Papa: „Ich rufe an, um dir mitzuteilen, daß ich ja letzte Woche umgezogen bin …“
Cu: (ins Wort fallend) „Ja, toll, wie war es denn?“
Papa: „Ach, es war sehr anstrengend …“
Cu: „Die paar Möbel??“
Papa: „Ja … nee … aber bis das alles so war, wie ich mir das vorgestellt habe … und dann waren da ja noch die neuen Möbel, die mußten aufgebaut werden … aber warum ich anrufe: Habe ich dir schon meine neue Adresse und Telefonnummer geschickt?“
Cu: „Ja, Papa. Zwei Mal. Per mail.“
Papa: „ - - -.“
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Dienstag, 1. Februar 2011

Wenn ...

… das Tochterkind irgendwann mal eine eigene Wohnung hat, wird die sicher günstig eingerichtet sein. Braucht das Kindchen doch nur eine Matratze und Bettzeug, ein Sofa, einen Tisch, einen Fernseher und ein Regal für Schoki, Flips und Toastbrot ...
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Dienstag, 25. Januar 2011

Zwiebelbrot

Das Tochterkind ernährt sich vorzugsweise von Weißbrot, Kuchen, Fritiertem, Süßigkeiten und derlei Zeugs (was der Mama die Nackenhaare in die Höhe treibt). Da ist es manchmal von Vorteil, durch Curuas Hexenküche schnuppern zu können. Manchmal aber auch nicht.

Das letzte Erzeugnis war ein wahrhaft köstliches Zwiebelbrot mit ebenso schmackhafter Kräuterbutter dazu.

Tochterkind: „Was ist das denn?!“
(Sie hat so eine Art, vorwurfsvoll/anklagend/angeekelt zu klingen, daß man ihr am liebsten Toast von Feinkost-Albrecht hinstellen möchte.)
Cu: „Zwiebelbrot. Heute frisch gebacken.“
Tochterkind: (angewidert) „Etwa mit Zwiebeln drin?“
Cu: (schaut irritiert drein)
Sohn: „Nö, Röstzwiebeln.“

Nach kurzem Überlegen und kurzer Verhandlung probierte das Tochterkind ein winziges Eckchen mit einer homöopathischen Dosis Kräuterbutter drauf. Die finstere Miene verhieß nichts Gutes, hellte sich aber plötzlich auf, Kräuterbutter wurde reichlich auf ihr verbliebenes Stück Brot gespachtelt; und der ersten Scheibe folgte noch eine zweite … Kommentar: „Kann man essen.“

Stimmt.
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Montag, 24. Januar 2011

Sonntag Nacht

So lange ich mich erinnern kann, ist die Nacht von Sonntag auf Montag eine unerfreuliche: Ich finde nicht in den Schlaf. Wenn ich dann irgendwann eingeschlafen bin, weckt mich jedes Geräusch unverzüglich. Meist wache ich ohnehin mehrfach auf und kann nicht gleich wieder einschlafen.

Pharmazeutische Hilfsmittel sorgen für die nächsten zwei bis drei Tage für das Gefühl, sich durch zähen Schlamm zu bewegen bzw. zu denken. Beruhigungstees bewirken garantiertes Aufstehen mindestens einmal in der Nacht. Und die Einnahme von Sekt (sonst von absolut zuverlässiger Wirkung) oder Wein helfen zwar beim Einschlafen, ziehen aber ebenfalls nächtliche Wanderungen und unweigerlich einen dröhnenden Schädel nach sich.

Auch Urlaub zu haben macht es nicht besser.

Seufz.
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Dienstag, 18. Januar 2011

Unterwegs

Inzwischen fahre ich ja gar nicht mehr so gern mit dem Auto durch die Republik. Okay, wenn ich denn mal fahre(n muß), dann fahre ich gern schnell. So schnell es mit dem Lieferwägelchen eben geht. Aber nicht gern. Und schon gar nicht gern weit. Wahrscheinlich wird man im Alter bodenständiger. Höhö. Vor diesem Hintergrund war der Ausflug zu Papa am Wochenende natürlich eine Herausforderung. Tochterkind und ich und das Lieferwägelchen machten uns auf den Weg, einen Gefrierschrank einzufangen … allein der Start brauchte schon viel länger als geplant, weil ich eigentlich keine Lust hatte. Aber versprochen ist versprochen.

Die Fahrt war lang, langweilig, weitestgehend ereignislos und von Brausebonbons geprägt, die das Tochterkind eingepackt hatte – Tochterkinds leuchtendes Zungengrün war schon für den einen oder anderen Lacher gut. Ein wenig komisch wurde mir, als vertraute Landmarken in Sicht kamen. Zu Hause … früher mal. In einem Leben vor diesem bin ich oft diese Strecke gefahren, um nach Hause zu kommen …

Endlich angekommen, war Papa irritiert: „Ihr seid schon da!?? Du wolltest doch erst morgen …“ Nein, sicher nicht. Sonntags habe ich frei. So weit es geht, jedenfalls. Das vorzeitige Erscheinen hat Tochterkind und mich um ein Essen mit Papa und meinem Bruder gebracht – wie wirklich so was von überhaupt nicht schade!

Der small talk bis zum Einladen des Gefrierschrankes war nahezu ebenso langweilig wie die Fahrt. Papa und seine Welt sind sehr klein geworden und drehen sich derzeit ausschließlich um seinen Umzug, für anderes ist kein Platz. Den Transport der verbleibenden Möbel organisiert mein Bruder, das Einräumen, Aufräumen und Verschönern meine Schwester; die Gewißheit, das irgendwann vorgehalten zu bekommen, verbleibt bei mir.

Und so sind Tochterkind und ich mit einbrechender Dunkelheit wieder gestartet, versehen mit einem Gefrierschrank („das Suppengemüse habe ich dir dringelassen, das brauch ich ja nicht“), einem Glas voller Bonbons unbekannten Alters, einem weiteren Glas voller Cents und einem alten Kolbenfüllfederhalter mit Goldfeder (auf den ich schon seit über zwanzig Jahren scharf war). Und der Vermutung, daß wir das nächste Mal erst zu Papas Beerdigung nach Hannover fahren werden.

Sagte ich schon, daß ich gar nicht mehr so gern Auto fahre? Vor allem im Dunkeln?
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Mittwoch, 12. Januar 2011

Papa zieht um

Nachdem Mama verstorben war, wusste Papa zunächst mal eine Weile nichts mit sich anzufangen. Verständlich. Dann aber, Ende November war’s, klingelte das Telefon:

Papa: „Ich rufe an, um dir mitzuteilen, daß ich mich entschlossen habe umzuziehen.“
(Kein Scherz. Er redet wirklich so.)
Cu: „Das ist ja schön! Weißt du schon …“
Papa: (ins Wort fallend) „… weil die Wohnung ist ja viel zu groß für mich alleine und überall denkt man dran und die Erinnerungen und dein Bruder hat ja damals schon was angesehen, als Mutti noch … blablabla … und da wollte ich wissen, ob du schon einen neuen Herd gekauft hast, weil du hattest doch gesagt … ?“
Cu: „Nein, eigentlich …“
Papa: (ins Wort fallend) „Wolltest du dann vielleicht unseren haben, der ist ja noch fast ganz neu, und den müsste ich dann ja wegschmeißen, weil so viel kann ich ja nicht mitnehmen, da ist ja viel weniger Platz, und darum will ich alles weggeben, was ich nicht brauche, und da dachte ich zuerst an euch, weil du hattest doch gesagt …?“
Cu: „Ja schon, aber …“
Papa: (ins Wort fallend) „Vielleicht kannst du dann ja auch noch was von den anderen Sachen gebrauchen, das Sofa im Wohnzimmer ist ja auch noch ganz neu, und ihr habt doch so viel Platz, weil so viel kann ich ja nicht mitnehmen …“

Wir haben uns dann auf Herd und Gefrierschrank geeinigt und vielleicht das eine oder andere Andere, was dann noch zu sichten sei. Und da ich es bis zum Umzugstermin Ende Februar abholen würde, möglichst zeitnah auch, weil der Herd ja bis dahin noch gebraucht würde.

Eine Woche später klingelte das Telefon.

Papa: „Ich rufe an, weil du doch gesagt hast, du kommst und holst die Sachen ab.“
Cu: „Ja, im Februar hatten wir doch gesagt.“
Papa: „Deine Schwester war am Wochenende hier, und sie hat doch noch so einen Gartenkocher mit zwei elektrischen Kochplatten, und den will sie mitbringen, das reicht ja auch für mich, was ich noch so mache. Wann kommst du denn jetzt?“
Cu: „Hier ist alles zugeschneit und glattgefroren, wir müssen erst noch ein bisschen abwarten, wie sich das Wetter entwickelt.“
Papa: „Ja, aber Ende Februar ziehe ich doch um …“

Vier Tage später sagte mir das Tochterkind, als ich nach Hause kam, ich möge doch bitte ganz ganz dringend meinen Vater anrufen, es sei sehr wichtig.

Papa: „Ähmja, weißt du, das war heute jemand, der hat sich die Küche angesehen und wollte die auch haben, aber ich hatte dir ja schon den Herd zugesagt, und da hat er gesagt, ohne Herd wäre die Küche für ihn ja wertlos …“
Cu: „… und da wolltest du fragen, ob ich den Herd wirklich unbedingt brauche.“
Papa: „Ähmja, so, ja, vielleicht, wenn du … aber den Gefrierschank habe ich fest für dich reserviert.“

Es kamen noch zwei Anrufe wegen des Gefrierschrankes, während Ostfriesland und das restliche Niedersachen von Schnee und Eis gefangen waren.

Gestern Abend klingelte das Telefon erneut:

Papa: „Ich rufe an, um dir mitzuteilen, daß ich schon am 29. Januar umziehe. Am 22. kommt jemand und holt die Sachen ab, weil so viel kann ich ja nicht mitnehmen, da ist ja nocht so viel Platz, und du wolltest doch den Gefrierschrank haben …“

Ich glaube, ich fahre am Wochenende hin. Sonst scheitert Papas Umzug am Ende noch an einem Gefrierschrank, der immer noch im Keller steht.
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Utn Peerstall

Das sind keine Haflinger!

gerade im Stall:

Du bist nicht angemeldet.

Stallordnung

Alle Einträge von cu ruadh sind extrem subjektiv und aus persönlichem Erleben entstanden. Anmerkungen und Kommentare sind erwünscht, allerdings bitte ich um einen höflichen und freundlichen Umgangston. Kurz gesagt: Wer pöbelt, suche sich einen anderen Stall!

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