Freitag, 31. August 2012

Blüten

Als des Schatzes Großmutter letztes Jahr starb, war es Dezember, einer von zwei Blumenläden in erreichbarer Nähe hatte „vorübergehend“ auf unbestimmte Zeit geschlossen (mit dem anderen machen wir keine Geschäfte mehr, aber das ist eine andere Geschichte) , und das Angebot an beileidsbekundungsfähigem Grün- und Buntzeug war stark eingeschränkt. Und da es einfach blöd ist, zu einer Trauerfeier, vor allem eines geliebten Menschen, ohne angemessenes Geblüm zu erscheinen*, mußte dringend eine brauchbare Lösung her.

Wir erstürmten den nächsten Baumarkt in der Hoffnung, wenigstens in der Inhouse-Blumenabteilung fündig zu werden. Alles, was es außer Blattgrün noch gab, waren Orchideen in Weiß und Violett, wie die Oma sie immer im Blumenfenster hatte. Das gab die zündende Idee – zwei Rispen der filigranen Blüten mit ein paar Koniferenzweigen arrangiert und mit passendem violetten Band dekoriert!

Leider war Violett letzten Winter nicht in Mode.

Weiß tat es dann auch, der Schatz zog mit einem hübschen, sündteuer aussehenden Gebinde los, und ich stand mit ein paar schmucklosen Blättern in einem Blumentopf da. Eigentlich wollte ich sie schon entsorgen, aber es widerstrebt mir, Lebendes wegzuwerfen, und so fand die Pflanze den Weg auf meine Fensterbank und wurde so nebenbei mit versorgt.

Auf den Tag genau ein halbes Jahr nach dem Tod der Oma folgte ihr der Opa nach. Ohne sein Käthel, wie er sie immer liebevoll genannt hatte, hatte sein Leben wohl keinen Sinn mehr für ihn. An diesem Tag entdeckte ich die neue Blütenrispe.

Anfang August hätte der Opa Geburtstag gehabt, und die Orchidee stand in voller Blüte. Als wollte die Oma uns sagen: Es ist gut so.

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*Ich weiß das aus eigener Erfahrung – „Du brauchst keine Blumen mitbringen, das wird hinterher sowieso nur weggeschmissen, spart das Geld lieber“, sagte Papa anläßlich Mamas Trauerfeier. Wir waren die Einzigen, und ich habe mich in Grund und Boden geschämt.
Zu finden in: Reiterstübchen

Freitag, 24. August 2012

Staub

Ui, hier ist es ja still geworden! Na ja, die Pferde sind ja auch längst draußen und wir bei schönem Wetter auch, da hält man sich nicht im Stall auf. Draußen ist auch genug zu tun.

Aber jetzt liegt des Sommers Ende in der Luft. Sie bekommt dieses ganz besondere Aroma, das Du nur im Spätsommer bemerken kannst, wenn die große Hitze vorüber ist und der Herbst um die Ecke schaut; und wenn jetzt bis in den Abend die Sonne scheint, ist es dieses eigentümliche Leuchten, das auch nur Spätsommernachmittage haben. Zauberhaft und zugleich voller Wehmut – der Sommer geht zu Ende.

Das heißt aber auch, der Stall muß fertig werden für den Winter. Spinnweben abputzen, auffegen, Tränken reinigen, noch ein paar Renovierungsarbeiten – Boxen wieder auffüllen, die eine oder andere Wand reparieren, lauter neue Futtertröge müssen noch angebracht werden und – wenn ich ganz viel Glück habe – auch die Wasserrohrheizung. Und zu guter Letzt müssen noch die Vorräte bestellt werden. Rauhfutter haben wir bereits eingelagert (unser eigenes Heu! Und richtig gutes!), aber wir brauchen noch Einstreu. Und Rattenfallen.

Also fangen wir mal an!
Zu finden in: Stall und Weide

Mittwoch, 14. März 2012

Schluchz

Wieder einer dieser seltenen Träume, an die ich mich erinnere - von denen ich aufwache, dann allmählich die Handlung verliere, weil ich mich weigere, sie immer wieder zu erinnern, bis nur noch das Kernstück und ein paar unbedeutende Szenen bleiben. Und die Gefühle, die mich intensiv durch den Tag verfolgen.

Ich träumte, der Schatz sei gestorben.

Auf diesen Vorgeschmack der Leere, die dann kommt, die unendliche Verlassenheit, das emotionale Versteinern, das Stillstehen, das Ende des eigenen Lebens hätte ich gut verzichten können.

Unter Tränen aufgewacht, hörte ich den Schatz neben mir atmen, wußte, es war ein Traum, und wurde es dennoch nicht los ...

Wenn es irgendwann so weit sein sollte, hoffe ich nur, die Kinder sind dann alt genug, daß ich ihn gleich begleiten kann.
Zu finden in: Über die Weiden geschaut

Dienstag, 13. März 2012

11 Millionen Tonnen

… Lebensmittel landen in der Bundesrepublik jährlich im Müll.

Mal ehrlich – Ihr warnt uns vor Gemüse mit EHEC-Viren, vor Pestiziden auf Paprika, Nitraten im Salat, Schadstoffen in Gewürzen, vor Analog-Käse, Formfleisch-Schinken, Fruchtjoghurt ohne nennenswerte Mengen Früchte, vor mit Antibiotika angereichertem Hühnerfleisch und Fisch voller Schwermetall.

Und dann werft Ihr uns vor, daß wir das Zeug in den Müll befördern??
Zu finden in: Reiterstübchen

Montag, 5. März 2012

Erstarrt

Das Ende der letzten Woche hat mich irgendwie emotional überfordert.

Donnerstag
Das Geld für die iHülse ist Sonntag auf den Weg geschickt worden, aber das Tochterkind bekommt keine Ware dafür. Der Schatz prüft die Adresse nach, die der Verkäufer geschickt hat, und stellt fest, man sei wohl einem faulen Ei aufgesessen.

Freitag
Vom Eheweib genötigt, erkundigt sich der Schatz nach Befinden des Großvaters und erfährt, daß die Leitung des Pflegeheims in Zusammenarbeit mit einer irgendwie verbandelten Anwältin den Großvater haben entmündigen lassen. Der alte Herr darf nicht einmal mehr seine Post selbst öffnen.

Samstag
Ein Schreiben unseres Anwaltes setzt uns in Kenntnis, daß, wiewohl wir vom Gericht seinerzeit Recht bekommen haben, die Verhaftung der Beklagten durch den Gerichtsvollzieher außer einer eidesstattlichen Versicherung nichts zutage gefördert hat und wir doch bitte die Kostenrechnung in Höhe von x Euro begleichen mögen.

Sonntag
Migräneartiges Wummern im Schädel, gepaart mit steter Übelkeit, während draußen Sonnenschein und milde Temperaturen locken, und Schmerzmittel mit kaum nennenswerter Wirkung.

Manchmal bin ich gar nicht so unglücklich, ins Büro zu dürfen.
Zu finden in: Reiterstübchen

Freitag, 24. Februar 2012

Aussortiert

Ich liebe meerrettichsahnegefüllte Schinkenröllchen in Aspik. So als Aufschnitt. Bis ich folgenden Hinweis entdeckte:

„Schinkenfleisch aus Teilen zusammengefügt“

Wieder etwas, was dann wohl nicht mehr auf dem Einkaufszettel stehen wird.
Zu finden in: Reiterstübchen

Donnerstag, 23. Februar 2012

Streß im Stall

Schecki ist seit November Selbstversorger-Gast bei uns. Das heißt, ihr Frauchen - Pferdewirtin sei sie, wußte sie stolz zu verkünden, eine Berufsbezeichnung, die mir inzwischen die Tränen in die Augen treibt – kümmert sich um Futter und Einstreu selbst. Klappte auch ganz gut.

Bis Anfang Januar das Heu (“Heu haben wir noch jede Menge, das ist noch das vom Vorjahr!“) zu Ende ging. Also rief ich die Pferdewirtin an, um ihr zu sagen, daß ihr Pferd noch für einen Tag Heu habe. Sie kam eilig und brachte - einen HD*-Ballen. Das reicht für zwei Tage. Okay, dachte ich, dann wird sie wohl in Kürze mehr bringen. Nö. Also wieder anrufen und erinnern. So ging das ein paarmal, bis …

Cu: „Sag mal, schaust du auch mal nach, ob noch genügend Heu für dein Pferd da ist?“
PW: „Nö … wieso?“

Es wurde etwas besser. Dann kam die Ansage, sie hätte kaum noch Heu in HD*-Ballen, ob sie denn auch einen Rundballen herstellen könne; und sie hätte auch keine HD*-Ballen Stroh mehr, die seien alle auseinandergefallen, und sie hätte nun ein Problem mit der Einstreu.

Cu: „Beim Landhandel kann man Einstreu in Ballen kaufen. Eingeschweißt.“
PW: „Nee, das ist zu teuer. Das will mein Mann nicht.“
Cu: „Dann könntest du das lose Zeug auf einen Anhänger schaufeln und hier in eine der alten Boxen schütten, bis du es brauchst.“
PW: „Ach … das fliegt ja alles weg …“
Cu: „Nimm einen Anhänger mit Plane.“
PW: „Es fliegt ja trotzdem …“
Cu: „Du könntest es auch in große Müllsäcke füllen.“
PW: „Jaa … nö …“

Ein ganz ähnliches Gespräch ergab sich übrigens mit dem Herrn Gemahl der Pferdewirtin, als er den Rundballen Heu anlieferte.

Der Ballen war dreckig und etwas gammlig außen, was mich zu einem argwöhnischen Blick veranlaßte und ihn zu der Erklärung, da müsse man nur die äußeren zwei, drei Runden abmachen, der Rest sei sicherlich gut. Und sie hätten noch siebzehn weitere Ballen, die sie wohl würden verkaufen müssen, wo sie ja noch so viel Heu zu liegen hätten. Wir machten den Drecksballen des Abends auf, schälten die äußeren fünf bis sechs Runden ab und informierten die Pferdewirtin, sie möge den nächsten Tag erscheinen, sich den Ballen anschauen und alles abmachen, von dem sie meinte, man könne es nicht verfüttern, bis dahin bekäme Schecki von unserem Heu.

Was wir dann vorfanden, war immer noch nichts, was wir unseren Pferden gegeben hätten. Schecki sah das ganz ähnlich, hatte aber keine Wahl; und nach drei Tagen tauchten plötzlich wieder ein paar HD*-Ballen Heu auf.

Als ich gestern in den Stall kam, war der Drecksballen verschwunden. Dafür stand da ein schimmliges, nasses, stinkendes Ding, das ich nach einigem Überlegen als Silage**-Ballen klassifizierte. Für Nichtpferdebesitzer ist mein Entsetzen kaum nachvollziehbar – stell Dir vor, jemand stellt Dir einen Salatteller hin, der vorgestern seine Haltbarkeit überschritten hat und seitdem nicht im Kühlschrank war, dann hast Du in etwa eine Vorstellung von dem Drecksballen Heu. Jetzt stellt jemand stattdessen einen Salatteller mit Yoghurt-Dressing hin, der ein paar Tage im Sommer draußen gestanden hat. Lecker!

Wenn man Silage-Ballen öffnet, wird er warm. Dieser wurde innerhalb weniger Stunden so warm, daß wir Schlimmes befürchteten, zumal der Stinker direkt neben unserer Heulage*** platziert war. Die Pferdewirtin wurde gebeten, die Silage unverzüglich aus dem Stall zu entfernen. Jetzt könne sie aber nicht. Also haben wir den Stinker aus dem Stall gerollt. Gute Entscheidung, denn trotzdem er über Nacht draußen gelegen hat, ist die Temperatur beträchtlich angestiegen.

Ich schätze, Schecki wird uns spätestens zum Monatsende verlassen.

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*HD = Hochdruck. Handliche kleine Ballen Heu oder Stroh, die auch von Frauenhand bequem zu bewegen sind
**Silage ist Gras, das gemäht, nach einem Tag Liegezeit in Ballen gepreßt und in Folie gewickelt wird. Eigentlich als Kuhfutter gedacht, für Pferde nur unter größten Vorbehalt geeignet
***Heulage ist Gras, das gemäht und nicht mehr richtig trocken geworden ist, bevor es in Ballen gepreßt und ebenfalls in Folie gewickelt wird. Für Pferde unter Umständen geeignet
Zu finden in: Stall und Weide

Donnerstag, 9. Februar 2012

Winter reloaded

Nach wochenlangem Regen hielt der Winter doch noch Einzug in Ostfriesland. Überraschenderweise. Quasi über Nacht fielen die Temperaturen auf Zweistelliges unter Null und zwangen den Schatz wieder einmal mit der Heißluftpistole in den Stall. Ventile auftauen.

Schatz: (anklagend) „Wenn das so weitergeht, friert wieder alles ein!!“
Cu: „Und was kann ich dafür?“
Schatz: „Da hab ich doch gar nichts von gesagt!“
Cu: „Irgendwie schon. Äh - wolltest du nicht die Wasserleitungen beheizen?“
Schatz: „- - - !“

Wir haben folgendes herausgefunden:

- Auch in diesem Winter frieren die Leitungen im Stall ein.
- Zehn Pferde schaffen es bis -5 Grad Außentemperatur, die Leitungen eisfrei zu halten.
- Nachdem ich alle Pferde gefüttert habe, sind meine Finger endlich warm.
- Das Heizkabel, das vergangenen Winter zwar verlegt, aber nicht ausprobiert wurde, funktioniert hervorragend.
- Die Heizpads, die mit dem Kabel erworben wurden, funktionieren auch einwandfrei.

Wie lange es jetzt allerdings dauert, die gewonnenen Erkenntnisse zu einer funktionierenden Leitungsheizung zusammenzuführen, bleibt abzuwarten. Ich schätze mal, noch drei Jahre Eimer schleppen.
Zu finden in: Stall und Weide

Utn Peerstall

Das sind keine Haflinger!

gerade im Stall:

Du bist nicht angemeldet.

Stallordnung

Alle Einträge von cu ruadh sind extrem subjektiv und aus persönlichem Erleben entstanden. Anmerkungen und Kommentare sind erwünscht, allerdings bitte ich um einen höflichen und freundlichen Umgangston. Kurz gesagt: Wer pöbelt, suche sich einen anderen Stall!

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