inzwischen frage ich mich schon, was Euch eigentlich reitet.
Ich meine, Ihr habt vor Jahren ein Haus überschrieben bekommen, das Euch bis heute keinen Cent gekostet hat. Die Großeltern haben es mit eigener Hände Arbeit gebaut und alles selbst finanziert, zum Teil über einen langen Zeitraum zusammengetragen und über Jahrzehnte hinweg liebevoll gepflegt. Mit all dem hattet Ihr nie etwas zu tun – weder ist von Euch erwartet worden, irgendwelche Tätigkeiten zu investieren, noch ist je Geld von Euch verlangt worden. Und nur weil der Großvater dem Staat nichts schenken wollte, hat er Euch das Eigentum übertragen, bevor Erbschaftssteuern fällig würden.
Nun ist die Großmutter nicht mehr da, und der Großvater würde das Haus zu gern verkaufen, um sich seine letzten paar Jahre (vielleicht sind es auch nur noch Monate, immerhin ist er deutlich über 90) daraus zu finanzieren. Und alles, was Euch dazu einfällt, ist, daß es Euer Haus ist und es nicht verkauft wird, so lange er sein Nutzungsrecht nicht vorher aufgibt? Daß der Großvater nur durch Eure Gnade und Freundlichkeit weiterhin darin wohnen (und dafür zahlen!) darf? Und ihm dafür noch Schäbigkeit vorwerft?
Ihr könnt mit dem Haus doch gar nichts anfangen außer es zu verkaufen; immerhin habt Ihr selbst doch so eine Prachthütte gebaut (übrigens mit Hilfe der Großeltern), in der sich außer Euch wahrscheinlich niemand wirklich wohlfühlen mag. Und wenn es verkauft wird, warum kann man sich dann nicht über eine Verteilung des Erlöses einigen? Schließlich habt Ihr nie etwas dafür tun müssen. Es ist Euch geschenkt worden. Und jetzt führt Ihr Euch auf, als sei es ein unmoralisches Ansinnen, daß der, der es gebaut, bezahlt und erhalten hat, einen Teil daraus zurückhaben möchte!
Nun, so wie es aussieht, habt Ihr Euer Ziel fast erreicht. Der Großvater ist jetzt im Krankenhaus und gibt gerade auf. Sich mit Euch zu streiten. Zu leben. Ich hoffe, Ihr seid zufrieden mit Euch.
Der Schatz, mein über alles geliebter Ehemann, Euer Sohn, Euer einziges Kind, schämt sich mittlerweile für Euch. Darauf seid Ihr hoffentlich auch stolz.
Höflichst
_______________
*Versteht die Anrede bitte nicht falsch. Man sagt ja auch „mein lieber Herr Gesangsverein“.
cu ruadh - 27. Jan, 12:49
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Zwischen Weihnachten und Neujahr litt das Tochterkind unter üblen Zahnschmerzen. Nach der Einnahme einer Flasche Parazeterdingens ohne merkbare Wirkung entschied sie sich Silvester zu einem Besuch beim zahnärztlichen Notdienst (und geriet mit dem diensthabenden Arzt aneinander, kaum daß sie die Praxis betreten hatte; doch das ist eine andere Geschichte) und kehrte nicht mit der mütterlicherseits erhofften Zahnfüllung zurück, sondern einem Provisorium. Eine Wurzelbehandlung sei fällig; und das wird eine eher langfristig angelegte Sache. Kenne ich aus eigener Erfahrung.
Samstag Abend – Tochterkinds bevorzugte Badezeit – tat es plötzlich einen gewaltigen Krach im Bad oben, gefolgt von einem undeutlichen Wimmern. Ohne nennenswerte Verzögerung gelang es, die Treppe hinaufzubeamen. Da stand ein tropfnasses Kind im Schlafanzug, hielt sich ein Handtuch vor das Gesicht und schluchzte leise – sie war in der Wanne ausgerutscht und hatte sich einen Vorderzahn abgebrochen. Mal abgesehen von dem einen oder anderen blauen Fleck.
Mein armes Kind …
cu ruadh - 23. Jan, 13:41
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Das Peerstall-Personal stammt ja ursprünglich aus Hannover (Cu) bzw. aus dem Umland, und dort gab es seinerzeit haufenweise Bäcker, die sich in Qualität und Originalität gegenseitig überboten. Wenn ich an diese köstlichen Croissants in Bemerode denke … !
Nachdem wir im weiteren Umland gelandet waren, wurde die Bäckerdichte deutlich geringer und der Schatz unzufriedener. Eines Tages schleppte er einen Brotbackautomaten an, „damit ich auch mal frisches Brot kriege!“ Diese sensationelle Errungenschaft der Technik war damals etwas völlig Neues und lieferte nach anfänglichen Schwierigkeiten fast täglich erstklassige Brote ab. Besonders beliebt wurde das sonntägliche Weißbrot, das man am Abend zuvor programmieren konnte und schon mit einladendem Duft erfreute, wenn man die Küche betrat.
Irgendwann ging der Automat kaputt, und der Schatz schob voller Vorfreude in den nächsten Elektrofachmarkt, um ein moderneres, noch größeres, noch tolleres Gerät zu erwerben. Mit dem neuen Monster wurde ich aber einfach nicht warm. Meine bewährten Rezepte wurden nichts, die Rezepte, die mit dem Monster mitgekommen waren, wurden auch nichts. Also ruhte das Monster ziemlich lange, und Brot und Brötchen wurden wieder gekauft, was der Schatz nach kurzer Zeit bemängelte. Damit begann das Brotbacken im Backofen und entwickelte sich rasch zum Renner. Nur Brötchen, Hörnchen und Croissants kamen nach wie vor vom Bäcker, weil ich mit den selbstproduzierten Ergebnissen unzufrieden war.
Dann zogen wir nach Ostfriesland und stellten fest, die Leute sind hier genügsamer. Wesentlich genügsamer. Vor allem zur Urlaubszeit:
Cu: „Wolltest Du nicht frische Brötchen holen, Schatz?“
Schatz: „Ich habe frische Brötchen geholt!“
Cu: „Wann, gestern?“
Nachdem jeder Bäcker innerhalb eines machbaren Umkreises ausprobiert worden war, folgte eine weitere Versuchsreihe. Erst für Brötchen, dann für Croissants, dann für Brot verschiedener Art. Denn um hier frisches Brot beim Bäcker zu bekommen, braucht es Glück. Und darauf mag ich mich nicht verlassen.
Wie also könnte ich die Herstellung von Weihnachtsplätzchen einem hiesigen Bäcker anvertrauen?
cu ruadh - 18. Jan, 12:47
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Sehr geehrter Herr Bundespräsi…
- Was schreibe ich da eigentlich? Eigentlich finde ich nicht, daß Sie besondere Ehren verdient haben. Oder Ehren überhaupt. Also doch eher so:
Guten Tag, Herr Bundespräsident.
Wahrscheinlich geht es mich Ihrer Meinung nach gar nichts an. Ich bin ja nur Bürger, Steuerzahlende und Stimmvieh, und – um der Wahrheit den Vorzug zu geben – ich hätte Sie auch nicht gewählt. Hab ich schon nicht, als Sie sich anschickten, Ministerpräsident in Niedersachsen zu werden. Da Sie aber derzeit das höchste Amt im Staat bekleiden, glaube ich durchaus, das Recht zu haben, meine Meinung zu Ihrem Gebaren kundzutun.
Der Bundespräsident ist die höchste moralische Instanz unseres Landes. So habe ich es mal gelernt. Das heißt, an dem, was der Bundespräsident tut, soll sich jeder andere messen lassen. So, wie Sie das praktizieren, ist es demzufolge opportun, Vorteile mitzunehmen, wo immer sie sich bieten, sich einladen und freihalten zu lassen, darauf hinzuweisen, daß man als Minister- oder Bundespräsident schließlich ein Anrecht auf bevorzugte Behandlung habe, und jedwede Vergünstigung einzustreichen, die sich bietet. Alles, was Sie bislang dazu zu sagen hatten, war ein wortreicheres „Na und?“
Genau betrachtet, ist das ja aber auch nur das, was uns Politik und Wirtschaft seit etlichen Jahren vorleben. Wie man dann gleichzeitig erwarten kann, daß der arbeitende Bürger brav alle anfallenden Steuern und Gebühren zahlt und eine aufrichtige Einkommenssteuererklärung abgibt oder eine Beschäftigung annimmt, bei der er de facto draufzahlt, bleibt mir ein Rätsel.
„Wir als die Anführer unserer Völker müssen besser sein als jeder andere, da wir ihnen Beispiel und Vorbild sein müssen.“ Diesen Satz las ich letztens in einem Fantasy-Roman. Und ganz ehrlich – ich finde es traurig, daß derlei Dinge, diese Einstellung inzwischen ins Reich der Fantasie entschwindet. Was ist geworden aus Aufrichtigkeit, Worttreue, Loyalität, Integrität? Wie können Sie solche Eigenschaften von anderen erwarten, wenn Sie sie selbst in den Dreck treten?
Zum Schluß gestatten Sie mir noch die Frage: Nachdem Sie „physische Schmerzen“ erlitten haben, als einer Ihrer Amtsvorgänger seine Flugreisen nicht eindeutig belegen konnte – wie geht es Ihnen dann jetzt? Und können Sie dem Kerl, der Ihnen da jeden Morgen aus dem Spiegel entgegen sieht, noch in die Augen schauen?
Höflichst,
Cu ruadh
cu ruadh - 16. Jan, 12:31
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Reiterstübchen
… war 2011 gar nicht so übel. Sicher, es gab ein paar Startschwierigkeiten, aber überraschenderweise war das Jahr nach dem chinesischen Neujahrsfest ein recht freundliches. Zumindest aus meiner Sicht.
Überraschend ist das für mich deswegen, weil ich oller Realist der Astrologie eigentlich wenig Bedeutung beimesse. Auch der chinesischen nicht. Nun sollte 2010 als Jahr des Metall-Tigers von Veränderung und Chaos geprägt sein, was es für mich durchaus war. 2011 war das Jahr des Metall-Hasen, einem schmusigen, harmoniebedürftigen kleinen Burschen, der etwas Ruhe, Gleichmaß und Entspannung bringen sollte. Hat er getan.
Natürlich gab es auch in 2011 Aufruhr, Unannehmlichkeiten und Ärger. Aber nicht mehr in dem Maß wie im Jahr zuvor. Und vor allem – es hat mich nicht mehr so aus der Bahn geworfen. Gekrönt wurde das Jahr von einem seit Jahren erstmals wieder schönen, friedvollen und harmonischen Weihnachtsfest und einem geruhsamen Silvesterabend. Als hielte jemand seine Hand über mich … vielen Dank dafür, an wen auch immer es geht. Danke, 2011. Und danke schon mal, kleiner Hase, auch wenn du noch ein paar Tage hier bist.
cu ruadh - 3. Jan, 13:58
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Privat!
Samstag. Die Kinder verlangen schon seit einer Weile nach neuen Winterjacken (warum nur müssen Kinder dauernd wachsen?!), also wollen wir uns auf den Weg nach Auerk machen. Jedenfalls die meisten von uns.
Cu: „Ich mag das Parkhaus im Carolinenhof ja gar nicht. Die Parkplätze sind so eng, und überall stehen die Säulen im Weg. Und wahrscheinlich ist es jetzt ganz schön voll da … was denkst Du, ob am Pferdemarkt wohl noch Parkplätze sind?“
Schatz: „Ist ja schon gut. Ich fahre.“
Cu: „Das ist toll. Dann kannst Du ja vielleicht auch noch nach einem Pullover gucken.“
Schatz: „Ich brauche keinen Pullover, ich brauche Schuhe!“
Zwei Jahre zuvor.
Der Schatz schaut auf seine Indianerfüße und erklärt, sein Schuhwerk fiele bald auseinander, er benötige neue Schuhe. Cu verhört die Kollegen nach Schuhläden im Umkreis von 50 Kilometern, die auch noch Brauchbares jenseits von Größe 46 führen, und präsentiert stolz eine Liste mit vier Adressen. Der Schatz nickt wohlgefällig und verlegt die Aufstellung auf seinem Schreibtisch.
Und was bitte soll ich noch tun?
cu ruadh - 22. Dez, 12:33
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Reiterstübchen
Noch vier Tage bis Weihnachten.
Eine günstige Gelegenheit für unseren Hausarzt, mich noch mal eben vorher für die Laboranalyse einzubestellen. (Wahrscheinlich war das Kontingent noch nicht aufgebraucht.) Da Personen über 35 besonderer Aufmerksamkeit bedürfen, hatte ich das Vergnügen, zuvor einen Fragebogen auszufüllen.
Haben Sie Streß? Ja Nein
Wenn ja, welchen? ____________________
Als ich nach dem Laborbesuch wieder auf den Hof fuhr, kam mir der Schatz entgegen und verkündete mit unheilschwangerer Stimme, die Lütte sei krank, er sei jetzt eine halbe Stunde mit ihr durch den Stall gewandert ohne Besserung. Was denn jetzt zu tun sei. Kurz vor Neun. Eigentlich wollten wir jetzt ins Büro starten. Ich geh mich stallfein machen, füttere unterwegs die Hunde und stecke noch ein bißchen Medizin ein. Anruf beim Tierarzt, Globuli in den Gaul füllen, weiterlaufen. Eine halbe Stunde später ist die Tierärztin da, schaut sich die Lütte an, stimmt zu, daß es wohl eine Kolik sei. Kanüle in die Halsvene, ein knappes halbes Duzend Mittel in das Pferd. Abwarten. Im Büro sind wir dann gegen halb Elf.
In vier Tagen ist Heiligabend.
Wir haben noch keinen Baum.
Ich weiß immer noch nicht, ob des Schatzes Großvater die Feiertage nun bei uns verbringen will. Das Reiterstübchen, das wir für ihn herrichten wollten, damit er ebenerdig und hundefrei zu jeder Nachtzeit auf die Toilette kann, ist noch im Rohzustand, ich hätte kein Bett für ihn, und um den kaputten Durchlauferhitzer hat sich auch noch keiner gekümmert.
Die Keksherstellung läuft eher schleppend an.
Ein Weihnachtsgroßreinemachen wartet auf mich.
Möglicherweise darf ich noch Einiges an Zeit mit kranken Pferden im Stall verbringen.
Der Schatz findet wegen seines Projektes des Abends wieder nicht nach Hause.
Das Tochterkind versucht zu kränkeln.
Sohn kommt mit dem Pferdestall für seine Schwester nicht richtig voran.
Scheint irgendwie nicht die richtige Zeit für Fragebögen mit Fragen nach Streß zu sein.
cu ruadh - 20. Dez, 13:17
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Reiterstübchen
Es hat lange gedauert. Ich war sehr geduldig. Und seit dem Wochenende glaube ich, daß es doch so etwas wie Gerechtigkeit im Universum gibt.
Seit Jahren lehnt das Tochterkind die Verwendung von Zahnbürste und Zahnpasta strikt ab, allen Warnungen, Hinweisen, abschreckendem Bildmaterial und Erleben von Mutters Leiden zum Trotz. Freitagabend (wann auch sonst) stand das Kindchen plötzlich in der Küche und verlangte nach schmerzstillendem Saft, „damit ich wenigstens ein bißchen schlafen kann“. Die ebenso kurzfristig wie entschieden anberaumte Inspektion förderte ein kapitales Loch oben links hinten zutage und – zugegebenermaßen – eine ordentliche Portion Schadenfreude. Allerdings war es wohl noch nicht schlimm genug, einem Zahnarztbesuch zuzustimmen.
Heute früh war das Tochterkind mürbe und bat (!) um möglichst kurzfristige Vereinbarung eines Termins beim örtlichen Dentisten.
Ha!
cu ruadh - 19. Dez, 12:36
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