Die zugige olle Bude Das Peerstall-Wohnhaus erfährt erste richtige Renovierungs- und Modernisierungsmaßnahmen: Die stinkende Ölheizung fliegt raus, sobald der sündteuer eingekaufte Brennstoff weitestgehend verbraucht ist. Sie wird ersetzt durch einen modernen Gas-Brennwertkessel und ergänzt um eine Solaranlage zur Warmwasserbereitung. Und wenn wir uns irgendwann einen neuen Kaminofen leisten, darf der auch an der Warmwasserherstellung teilnehmen.
Was hab ich mir den Mund fusselig geredet …
Das werden jetzt zwei bis vier Wochen Dreck, Lärm und Aufregung und hoffentlich nicht mehr als zwei Tage ohne warmes Wasser, günstigerweise in den Osterferien - damit wir der Umwelt nicht auf den Geruchsnerv fallen.
P.S. Die Mauer um die Öltanks ist schon weg. War ganz einfach, man hätte sie auch eintreten können. Wertarbeit eben.
cu ruadh - 30. Mär, 10:36
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Einfahrt und Parkplatz
Samstag.
Der Schatz und Cu werfen sich in Stall-Chic, um gleich ausmisten zu gehen. Sohn baut sich in der Tür auf und versucht, den Türrahmen möglichst auszufüllen.
Sohn: „Mama! Wir wollten doch Cracker backen!“
Cu: „Äh … ja … schau mal, hier ist das Rezept, vielleicht magst Du ja schon mal mit dem Teig anfangen.“
Sohn: „Rühren oder mit dem Knet-Dingsda?“
Cu: (überfliegt das Rezept) „Kneten. Und dann kalt stellen. Ruf mich in zwei Stunden, dann stechen wir aus.“
Zwei Stunden später taucht Sohn im Stall auf.
Sohn: „Wenn da 170 steht, was ist das dann? Dieses Ober-Unter oder das mit dem Ventilator?“
Cu: „Umluft, denk ich wohl. Du brauchst aber noch nicht vorheizen, ein bißchen brauch ich noch. Laß doch den Teig einfach noch im Kühlschrank.“
Sohn: (überlegt kurz) „Gut, dann stell ich ihn wieder zurück. Meinst Du, die Backbleche passen in den Kühlschrank?"
cu ruadh - 15. Mär, 12:57
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Reiterstübchen
(Wer hätte gedacht, daß der Auszubildende im Büro sich dermaßen weitreichend auf die Berichterstattung auswirkt?)
An einem der vergangenen Wochenenden fand DAS Großereignis statt: Sohn und ich haben uns in der Küche verbarrikadiert und Maultaschen hergestellt. Und nachdem wir inzwischen Übung in der Herstellung von Nudeln haben, war das eigentlich nicht soo schwierig.
Und auch hier waren sich drei Viertel des Stallpersonals einig, das kann man gut essen, vor allem lecker in Butter angebraten. Sohn verwendet Curry-Ketchup ja ausschließlich zu den gleichnamigen Würsten, aber ich bin ein Fan davon und fand die Kombination großartig – meinen Dank an Rain für den Tip. Wahrscheinlich hätte ich das sonst nicht ausprobiert.
cu ruadh - 14. Mär, 11:06
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Aus der Hexenküche
Heute Nachmittag werden es 15 Jahre sein. Ein halbes Leben.
Du hattest gefragt, ob wir nach Feierabend zusammen einen Kaffee oder so trinken wollten. Es war Freitag, und eigentlich hatte ich einzukaufen; aber in einem Anfall von Abenteuerlust sagte ich dem attraktivsten Kerl der Abteilung zu.
Und so fuhren wir nach Feierabend in die Innenstadt, jeder in seinem Auto. Du hattest einen Besuch der Markthalle vorgeschlagen, für mich damals der Inbegriff des Savoir vivre. Da ging man hin, wenn man wer war, da war alles exklusiv und teuer, da gab es Dinge zu kaufen, die es sonst nur schwer zu kriegen gab. Und da gab es einen kleinen Italiener, zu dem Du mich führtest.
„Ich lad Dich ein“, sagest Du. „Cappuccino?“ Ich sagte ja und suchte uns Plätze, während Du Dich um den Cappuccino kümmertest. Wir standen zusammen an einem kleinen Tischchen am Fenster, plauderten, nippten an unseren Tassen und hatten einen fabelhaften Blick auf die Karmaschstraße. In unmittelbarer Nähe war das Standesamt, eine Hochzeitskolonne fuhr hupend vorbei, ich schmunzelte und sagte: „Schau, wieder zwei, die sich ins Unglück stürzen.“ – „Sag doch nicht so etwas!“ erwidertest Du und sahst irgendwie sehr aufgewühlt aus.
Nach einem weiteren Cappuccino warst Du plötzlich ganz nah und sagtest: „Da ist etwas, was ich schon eine ganze Weile tun möchte.“ Und nahmst mich in die Arme. Da war dieser Duft nach Lederjacke, Duftwasser und nach Dir, den ich nie wieder vergessen habe. Um uns herum waren Leute, geschäftiges Treiben, Lärm und Musik, in dem Moment alles ohne jede Bedeutung.
Ich wurde dessen nicht gewahr, daß mein Leben an jenem Nachmittag eine neue Richtung nahm und völlig aus der Spur zu laufen begann.
Der Cappuccino heute Nachmittag ist ganz allein für Dich.
cu ruadh - 8. Mär, 13:30
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Über die Weiden geschaut
Ich komme nach Hause, steige aus dem Auto und halte die Nase kurz in den Wind. Hm, denke ich, scheint dann jetzt wohl doch endlich Frühling zu werden in Ostfriesland. Irgendwie riecht das ganz leicht nach frischem Grün und Erde.
In dem Augenblick fährt der Kuhbauer mit seinem Güllewagen auf die Weide gegenüber und fängt an zu güllen.
Und dazu noch ein haiku :
Zarter Duft nach Grün
Der Gülletrecker fährt los
Bäh!
cu ruadh - 25. Feb, 14:23
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Land und Leute
Des Schatzes kleines Auto verweigerte den Dienst. Glücklicherweise arbeiten wir im gleichen Gebäude, also übernahm er noch ein paar meiner morgendlichen Tätigkeiten, was mir erlaubte, früher fertig zu sein und doch noch rechtzeitig zur früh angesetzten Besprechung zu kommen, und wir fuhren gemeinsam.
Später am Vormittag erreichte mich Schatzes Frage:
Schatz: „Und war die Unruhe wegen der Besprechung gerechtfertigt?“
Cu: „Wer war denn unruhig? Was für eine Unruhe?“
Schatz: „Du warst beunruhigt, das sieht man an Deinen Händen....“
Cu: „Ach? Was mach ich denn mit meinen Händen, wenn ich beunruhigt bin?“
Schatz: „Sie führen ein Eigenleben.“
Cu: „Eigenleben?! Was denn für ein Eigenleben?“
Schatz: „Deine rechte Hand zuckt am Lenkrad hin und her.“
Cu: „… !“
Tut sie gar nicht.
cu ruadh - 25. Feb, 10:34
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Reiterstübchen
Kennst Du diese leckeren, zartschmelzenden englischen Leckereien, von denen man einfach nicht genug bekommen kann?
Wir schon.
Und ich weiß, wie sie hergestellt werden; und das wollte Sohn auch wissen. Also haben wir uns drangemacht, einen lustigen Nachmittag in der Küche verbracht und aus Sahne, Zucker und Vanillearoma köstliches Fudge gekocht. Und folgendes Fazit gezogen:
1. Der Topf muß größer
2. Küche abschließen!
3. Das nächste Zuckerthermometer wird besser von Hand abgewaschen
4. Bis das eingetroffen ist, gibt es keine Versuche dieser Art mehr
5. Mehr Geduld beim Abkühlen
6. Die Herstellung dauert wesentlich länger als die Vernichtung
7. Das Tochterkind ist viel freundlicher, wenn man sie mit Fudge füttert
cu ruadh - 23. Feb, 13:16
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Aus der Hexenküche
Zieht nach Ostfriesland, haben sie gesagt. Hier sind die Sommer warm und sonnig und die Winter mild, haben sie gesagt.
Und was ist?
Der erste Sommer endete abrupt zwei Wochen, nachdem wir hergezogen waren. (Da hatten die Sommerferien gerade erst begonnen.) Der zweite fing überraschend früh an und hatte dann mittendrin eine ausgedehnte Regenzeit, von der er sich nicht wieder richtig erholte.
Der erste Winter war so kalt, daß uns die Leitungen im Stall eingefroren sind. Der zweite Winter war genauso kalt und lang und so schneereich wie lange nicht. Der dritte jetzt begann früh und knackig und war bislang schnee- und frostreich und ist noch nicht zu Ende.
„Hier in Ostfriesland haben wir eigentlich keinen richtigen Winter.“ So hieß es. Daß ich nicht lache! Was ist dann das, was da draußen rumlungert und dafür sorgt, daß ich am liebsten nur noch dicke Pullover anhaben mag!?
cu ruadh - 22. Feb, 12:44
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Land und Leute
Es ist inzwischen schon wieder eine ganz beträchtliche Weile her, daß mich der Damalige anrief.
Ich hatte längst ein neues Leben, den Schatz, die Kinder, ein Häuschen bei Hannover. Beim Aufräumen und Aussortieren alter Kisten waren ein paar Dinge zutage getreten, die ihm gehört hatten oder für ihn noch wichtig hätten sein mögen; und nach mehreren vergeblichen Versuchen, sich mit ihm zwecks Übergabe zu verabreden, hatte ich das Ganze kurzerhand in einen Karton gepackt und der Post übergeben. Ich wollte das endlich los sein.
Er rief also an, um sich für die überraschende Sendung zu bedanken. Erzählte mir, was er so machte, wie er an meine Telefonnummer gekommen war. Wie schrecklich sein vierzigster Geburtstag für ihn gewesen war. Von seinen Aktivitäten in einem Verein, in dem wir uns damals kennengelernt hatten und lange gemeinsam Mitglieder gewesen waren. Daß er immer noch nach mir gefragt würde. Daß ihm meine Kreativität fehle.
Ich hörte zu und sagte gelegentlich „aha“ oder „hmhm“. Eine knappe Stunde lang. Und während er wie früher redete, dachte ich: du hast dich überhaupt nicht verändert. Meine Kinder, die nicht die Seinen waren, gingen bereits in die Schule, und er hatte sich nicht ein bißchen verändert in all der Zeit. Stand noch immer dort, wo ich ihn zurückgelassen hatte, wo er schon gestanden hatte, lange bevor ich gegangen war.
Auf seine Frage, ob man sich denn nicht mal wieder treffen wolle, sagte ich, wohl eher nicht.
Es blieb ein eigenartiges Gefühl.
cu ruadh - 21. Feb, 13:40
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Über die Weiden geschaut