Reiterstübchen
Draußen lockt die Sonne. Herrliches Frühlingswetter, ich entwickle das dringende Bedürfnis, rauszugehen und endlich mal die Blumenbeete in Ordnung zu bringen, Unkraut auszureißen, Blumen zu pflanzen, die Mengen von Ästchen und Zweiglein, die nach der Baumfällung noch im Hof liegen, in Häcksel zu verwandeln.
Nix da. Der Ostwind zwingt mich in kürzester Zeit zurück ins Haus. Der Boden ist so hartgefroren, daß eine Spitzhacke nötig wäre, um auch nur eine Mäusekuhle auszuheben, und das Unkraut sitzt bombenfest angefroren.
ICH WILL RICHTIGEN FRÜHLING!
cu ruadh - 27. Mär, 08:53
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Ich bin ein rastloser Mensch. Meine Gedanken gleichen Wolken, die mal vom Wind geschoben, mal vom Sturm herumgewirbelt werden. Ich werde ohne Unterlaß geplagt von Ideen, die ebenso schnell auftauchen wie verschwinden, Vorhaben, die geplant werden wollen, Plänen, die geschmiedet, geändert, verworfen werden. Das sorgt dafür, daß mir Stillsitzen oftmals so lange schwerfällt, bis ich so müde bin, daß ich dann sofort einnicke.
Der Schatz aber hat irgendeinen Zauber. Bei ihm kommen die Gedanken zur Ruhe. Ich komme zur Ruhe und bin zufrieden damit, bei ihm zu sein. Und ich habe keine Ahnung, wie er das macht. In all den Jahren bin ich nicht dahinter gekommen.
Ist ja auch egal. Zum Glück funktioniert es immer noch.
cu ruadh - 16. Mär, 20:16
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"Was wollen wir denn eigentlich am Freitag machen?" fragte der Schatz gut gelaunt zu Wochenbeginn.
Glücklicherweise war er am Telefon und bekam meinen verständnisarmen Blick nicht mit. "Äh ... Freitag?" Nach einem Blick auf den Kalender dämmerte es mir - Cappuccino-Tag. (Warum kann der Mann sich solche Daten eigentlich merken?'?)
Nun sind wir hier in Ostfriesland. Da gibt es Teestuben, Kaffeestuben und Kakaostuben. Und italienische Restaurants, in denen man wahrscheinlich einen Cappuccino bekommen könnte. Aber nicht vormittags um 11. Kurz, wir fanden nichts in der Nähe - und Hannover, Bremen, Bremerhaven oder Hamburg waren uns dann doch einfach zu weit weg.
"Aber wir haben doch", sagte der Schatz, "die Kaffeemaschine, die konnte doch auch mal Cappuccino ...?"
Kann sie auch immer noch. Aber ohne brauchbaren Espresso als Basis schmeckt der einfach nicht! Und den haben wir bislang noch nicht gefunden.
Wenn Du also einen richtig guten Espresso weißt, wäre ich für eine Probe dankbar, gleich ob gemahlen oder in Bohnen-Form. Mail mir einfach, dann schicke ich Dir gern Probetütchen und adressierten und frankierten Umschlag zu. Ich bin diese Rest-Tüten, die hin und her geschoben werden - "Schatz, möchtest Du einen Cappu?" - "Aus der Maschine? Och nöö ..." - nämlich langsam leid.
cu ruadh - 9. Mär, 19:12
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Futtermitteleinkauf beim favorisierten Landhandel. Der diensthabende Mitarbeiter schaut auf meine Kreditkarte und grinst:
„Kein Wunder, daß wir Dich nicht im Telefonbuch gefunden haben, Du heißt ja gar nicht Nanninga.“
Der Schatz und ich schauen gleichermaßen dumm-fragend aus der Wäsche. Der Diensthabende klärt uns auf, daß vorangegangene Woche jemand eine Karte im Kartenleser stecken gelassen hat, sie die Besitzerin verständigen wollten und sich einig waren, es sei die rothaarige Frau im langen Mantel gewesen.
„Stimmt doch, ihr wohnt doch da auf dem Hof, den Johann früher hatte“, sagt der Diensthabende eifrig, „und ihr habt doch auch die Kaltblüter, oder?“
An so einer Stelle des Gespräches bekomme ich gewöhnlich Verfolgungswahn, verabschiede mich ebenso freundlich wie eilig und versuche, zu Hause mein inneres Gleichgewicht wiederzufinden. Denn ich habe mich nie für jemanden gehalten, den man sich merkt. Wollte ich auch nie sein. Ein guter Freund hat sich vor einer langen Weile schon mal darüber amüsiert; unawareness nannte er es.
„Du schwatzt zu viel mit den Leuten“, sagt der Schatz hingegen.
Ah. Aber in der Tierarztpraxis weiß man auch schon aufgrund des Namens, daß man einen Tierarzt nach Dorf Vier schicken muß ...
cu ruadh - 22. Feb, 13:51
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Eine SMS vom Tochterkind zum Feierabend:
"Wo doch heute der Tag der Liebe ist und Dein Zahnarzttermin ausfällt, bringst Du uns was Leckeres mit? Bitte!"
cu ruadh - 14. Feb, 15:55
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... oder was man so Ferien nennt - zwei Tage nach den Halbjahreszeugnissen, um was zu tun?
Der Peerstall-Nachwuchs hängt ab. Schläft lange, schaut fern, spielt am Computer rum, verwüstet die Küche und verbraucht gnadenlos Vorräte aller Art.
Sie haben meine Backbücher entdeckt, Langeweile, Hunger auf Süßes und kein Taschengeld mehr.
O je.
cu ruadh - 31. Jan, 23:02
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„Ich mag doch so sehr Mohnkuchen“, sagte der Schatz, „magst Du nicht mal einen backen?“
„Hab ich noch nie gemacht. Und ein Rezept habe ich auch nicht.“
„Aber ich“, sagte der Schatz fröhlich und schob den iBlock rüber. „Und ich hab auch schon eingekauft.“
Mohnkuchen also. Mit Quark-Öl-Teig. Die Kommentare zum Rezept hatten gewarnt, aber ich wollte es nicht glauben, wie klebrig das Zeug wirklich war. Der Teig klebte an der Rührschüssel, am Knethaken, am Schaber, an der Tischplatte, an den Fingern, am Wasserhahn. Eigentlich sollte er ausgerollt werden, doch das erwies sich als unmöglich. Und das Einzige, woran das Zeug überhaupt nicht kleben wollte, war die Silikon-Springform.
Die nächste Herausforderung: Der Belag. Blaumohn wird mit diversen Zutaten und mehreren Tassen Wasser aufgekocht. Leider ließ sich weder das Rezept noch irgendein Kommentar über die Größe der Tassen aus, was zu einer ziemlich flüssigen Masse führte. Recht lange kochen half ein wenig, aber überzeugt war ich nicht recht.
Zu guter Letzt wünschte der Schatz Streuselbelag, also mußte noch irgendwie eine Ladung Streusel erfunden werden, die in den Kommentaren wohl als möglich erwähnt, aber nicht als Rezept erfaßt worden waren. Machbar. Alles in die Silikonform geschichtet, ab in den Ofen, warten und hoffen.
„Gut“, sagte der Schatz zwischen zwei Happen, „nur der Boden ist ein bißchen … äh … zäh.“
Na ja. Zäh, soso. Eine Hälfte hat bis zum nächsten Tag überlebt und gut durchgezogen, das hat den Kuchen entscheidend vorwärts gebracht, hätten wir gleich so machen sollen. Nächstes Mal.
Und ich hatte ganz vergessen, was für ein herrlich kariöses Lächeln einem so ein Mohnkuchen beschert.
cu ruadh - 29. Jan, 23:21
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Das Weihnachtsdorf auf der Weihnachtsfeier der Firma weiß alljährlich mit kulinarischen Köstlichkeiten aufzuweisen. Mein persönliches Highlight dieses Mal war der mißvergnügt dreinschauende Bursche, der mit elegantem Schwung aus dem Handgelenk köstliche Crêpes zauberte. Das wollte ich auch und tat das entsprechend kund - und tatsächlich gab es zu Weihnachten das gewünschte elektrische Gerät. Yes!
Das Peerstall-Personal reagierte indes wenig begeistert, als die Maschine zwischen den Jahren auch zum Einsatz kam. Erkenntnis Nr. 1: Der elegante Schwung ist Ergebnis vieler vieler vieler Crêpe-Sitzungen. Erkenntnis Nr. 2: Wenn du sie wie Pfannkuchen stapelst, bis alle fertig sind, schmecken sie auch wie Pfannkuchen.
Erkenntnis Nr. 2 sorgte für hängende Schultern, als die Maschine diese Woche wieder ausgepackt wurde. Erkenntnis Nr. 3: Sie gehen noch viel dünner. Erkenntnis Nr. 4: Gleich nach dem Umdrehen mit Füllung bestrichen, sind sie so köstlich, daß das Peerstall-Personal sie einem aus den Händen reißt.
Machen wir wieder!
cu ruadh - 16. Jan, 21:51
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Als des Schatzes Großmutter letztes Jahr starb, war es Dezember, einer von zwei Blumenläden in erreichbarer Nähe hatte „vorübergehend“ auf unbestimmte Zeit geschlossen (mit dem anderen machen wir keine Geschäfte mehr, aber das ist eine andere Geschichte) , und das Angebot an beileidsbekundungsfähigem Grün- und Buntzeug war stark eingeschränkt. Und da es einfach blöd ist, zu einer Trauerfeier, vor allem eines geliebten Menschen, ohne angemessenes Geblüm zu erscheinen*, mußte dringend eine brauchbare Lösung her.
Wir erstürmten den nächsten Baumarkt in der Hoffnung, wenigstens in der Inhouse-Blumenabteilung fündig zu werden. Alles, was es außer Blattgrün noch gab, waren Orchideen in Weiß und Violett, wie die Oma sie immer im Blumenfenster hatte. Das gab die zündende Idee – zwei Rispen der filigranen Blüten mit ein paar Koniferenzweigen arrangiert und mit passendem violetten Band dekoriert!
Leider war Violett letzten Winter nicht in Mode.
Weiß tat es dann auch, der Schatz zog mit einem hübschen, sündteuer aussehenden Gebinde los, und ich stand mit ein paar schmucklosen Blättern in einem Blumentopf da. Eigentlich wollte ich sie schon entsorgen, aber es widerstrebt mir, Lebendes wegzuwerfen, und so fand die Pflanze den Weg auf meine Fensterbank und wurde so nebenbei mit versorgt.
Auf den Tag genau ein halbes Jahr nach dem Tod der Oma folgte ihr der Opa nach. Ohne sein Käthel, wie er sie immer liebevoll genannt hatte, hatte sein Leben wohl keinen Sinn mehr für ihn. An diesem Tag entdeckte ich die neue Blütenrispe.
Anfang August hätte der Opa Geburtstag gehabt, und die Orchidee stand in voller Blüte. Als wollte die Oma uns sagen: Es ist gut so.
________
*Ich weiß das aus eigener Erfahrung – „Du brauchst keine Blumen mitbringen, das wird hinterher sowieso nur weggeschmissen, spart das Geld lieber“, sagte Papa anläßlich Mamas Trauerfeier. Wir waren die Einzigen, und ich habe mich in Grund und Boden geschämt.
cu ruadh - 31. Aug, 14:29
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… Lebensmittel landen in der Bundesrepublik jährlich im Müll.
Mal ehrlich – Ihr warnt uns vor Gemüse mit EHEC-Viren, vor Pestiziden auf Paprika, Nitraten im Salat, Schadstoffen in Gewürzen, vor Analog-Käse, Formfleisch-Schinken, Fruchtjoghurt ohne nennenswerte Mengen Früchte, vor mit Antibiotika angereichertem Hühnerfleisch und Fisch voller Schwermetall.
Und dann werft Ihr uns vor, daß wir das Zeug in den Müll befördern??
cu ruadh - 13. Mär, 19:20
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