Donnerstag, 7. Juli 2011

Ferien

05:50
Der Radiowecker geht an. Noch ist Zeit, also noch mal in die Decken kuscheln. Der Herr Hund schüttelt den Kopf, daß die Retriever-Ohren auf den Boden klatschen. Immer wieder. Grummeln, sich an den Schatz schmiegen, in den Arm genommen werden. Hach.

06:20
“Schatz, wir müßten dann mal langsam aufstehen ...“ Brummen. In beide Arme genommen werden, liebevoller Austausch von Zärtlichkeiten. Hach.

06:45
“Wir müßten dann jetzt mal wirklich aufstehen …“ Hatte ich das nicht schon vor einer Weile gesagt? Hm. Aus dem Bett rollen, Morgenprogramm starten, Medikation von Zotti noch irgendwie dazwischen schieben. Schön draußen, angenehm warm und sonnig. Jedenfalls, so lange man nicht nach Südwest schaut.

07:35
Sohn (versetzt) kommt gähnend die Treppe runter, brummt ein paar Höflichkeiten. Hilfsbereites Kind, schnappt sich zwei Katzenfutter-Teller und geht mit, die Stubentiger füttern.

08:05
“Wir müßten dann jetzt mal los … " Was, schon so spät? Sohn noch eben ein paar Anweisungen für den Tag hinterlassen, Zeug geschnappt. Schatz holt eben das Lieferwägelchen. Tor abschließen, dabei Tochterkind (nicht versetzt) ins Wohnzimmer schleichen sehen. Fernseher geht an. Grummel.

09:50
Handy klingelt mitten in Büro-Besprechung. Sohn: “Kann ich heute zu Kumpel oder kann Kumpel zu uns kommen?“ Erklären, daß Kumpel bestenfalls zu uns kommen kann, weil heute Großfahrtag ist – Schatz abholen, nach Auerk fahren, einkaufen, Besuch von Schatz beim Optiker, spät nach Hause kommen.

10:35
Handy klingelt mitten in (nächste) Büro-Besprechung Teil. Tochterkind: “Kann ich heute zu Freundin oder Freundin zu uns?“ Erklären, daß Freundin bestenfalls zu uns kommen kann, für Begründung Sohn fragen. Kollegen grinsen sich eins. Allgemeine Beschwerde von Tochterkind ob unwirscher Behandlung und daß Sohn ihr sowieso nie was sagt. Ob sie mit Freundin ausreiten dürfe (nein, da Sattelkammer abgeschlossen) oder wenigstens auf dem Reitplatz … (nein, da … siehe oben.) Das sei ja langweilig und ich so was von unsozial.

Sechs Wochen.
Und das ist erst der erste Tag.
Zu finden in: Reiterstübchen

Dienstag, 5. Juli 2011

Humpeln

Verlorenes Eisen, Husten, Haarlinge, Kolik, Einschuß, Ekzeme, schweren Bandwurmbefall – inzwischen hatten wir fast alles, was das normal genutzte Pferd so haben kann. Dachten wir.

Seit dem Wochenende haben wir nun auch ein Hufgeschwür.

Bei einem Hufgeschwür sammelt sich irgendwo innerhalb des Hufes Eiter an, der nirgendwo hin kann, drückt und dem armen Tier Schmerzen beim Stehen und Laufen bereitet. So auch hier – die arme Zotti war ein Bild des Jammers. Bis der Doc gestern endlich erschien. Hilfesuchend streckte sie ihm den Huf hin; es gab ein paar Schnitte mit dem Hufmesser und einen ordentlichen Hufverband, und gleich mußte Zotti erst mal ausprobieren, ob man sich wieder draufstellen kann. Man konnte.

Glücklicherweise mußte man auch nicht im Stall schlafen, sondern durfte wieder raus zu den anderen und zum Heuhaufen. Und während Zotti glücklich Heu mampfte, bekam die Lütte Kulleraugen, als sie den Verband sah. Das ganze Pferdegesicht sagte: „Boah! Was ist das denn? Kann ich das auch? Krieg ich auch sowas?“ Und sofort war sie auf dem Weg, das Ding da zu untersuchen, an der Watte zu zupfen und mal zu gucken, was es damit auf sich hat.

Ich hätte wetten mögen, der Verband hält nicht bis heute. Das hätte ich verloren. Gute Arbeit, Doc.
Zu finden in: Stall und Weide

Donnerstag, 30. Juni 2011

Irgendwie Heimweh

Auf dem Parkplatz des Baumarktes, den die Firma mitbenutzen darf und auf dem mein Lieferwägelchen den halben Tag verbringt, gibt es ein paar Plakatwände, die immer mal wieder neu tapeziert werden. Derzeit werden dort Niedersachsen und besonders seine Landeshauptstadt beworben und die Sehenswürdigkeiten, die es dort zu besuchen gibt.

Nun lebe ich inzwischen schon eine Weile hier und bin hier eigentlich daheim. Irgendwie. Meistens jedenfalls. Geboren und aufgewachsen bin ich allerdings in Hannover, und auch den größten Teil meines Lebens habe ich dort oder zumindest in der Nähe verbracht. Und jetzt parke ich das Lieferwägelchen unter wunderschönen Plakaten vom Steinhuder Meer, der Eilenriede, dem Zoo oder den Feuerwerken im Großen Garten. Und verspüre dabei das dringende Bedürfnis, sofort umzudrehen und mich auf den Weg zu machen. Dorthin, wo ich so oft gewesen bin, wo ich jeden Stein kenne kannte, jeden Weg, jede Brücke … nach Hause.

Schon komisch, das Leben.
Zu finden in: Über die Weiden geschaut

Mittwoch, 29. Juni 2011

Woran man merkt, daß Sommer wird

Wahrscheinlich denkst Du jetzt an Dinge wie: Sonnenschein. Strahlendblauer Himmel. Abende draußen auf der Terrasse. Grillen. Barfuß laufen. Leichte Bekleidung. Eis.

Ich merke es an den immer länger werdenden Rubriken im Wochenendblättchen – „Kätzchen zu verschenken“ und „Hund umständehalber abzugeben“. Denn jetzt ist die Zeit, wo die Maikätzchen alt genug sind, von Mama getrennt zu werden. Und hier in Ostfriesland wird wenig kastriert. Wozu auch? Kostet ja nur Geld. Und wenn man die Kätzchen nicht verschenken kann, packt man sie in einen Karton und stellt sie irgendwo hin. Wird sich schon jemand finden, der sie mitnimmt. Und wenn nicht … sind ja nur Kätzchen. In drei Monaten gibt es neue.

Bei Hunden ist es hier wenig anders als überall sonst – zu Weihnachten mußte es unbedingt ein Hund sein, jetzt, zu den Ferien, ist die Schnuppernase dann plötzlich überflüssig. Lästig geradezu. Wo doch Oma gleich gesagt hat, sie werde sich nicht um die Töle kümmern, wenn Urlaub ist. Ganz besonders merkwürdig finde ich Leute, die sich einen Welpen kaufen und ihn nach einem Dreivierteljahr wieder loswerden wollen, weil er „ja so groß“ geworden ist. Ja, was erwartet Ihr denn eigentlich, wenn der Welpe schon größer ist als ein ausgewachsener Jack Russel?

Es macht mich traurig zu sehen, wie leichtfertig, wie gedankenlos mit dem Leben derer umgegangen wird, die uns anvertraut sind. Traurig und wütend. Es sind nur Hunde und Katzen, nur Sachen vor dem Gesetz, ohne Lobby und ohne die Möglichkeit, nachdrücklich auf ihre Bedürfnisse zu verweisen. Da frage ich mich schon, was als nächstes kommt.
Zu finden in: Reiterstübchen

Mittwoch, 22. Juni 2011

Großverbrauchers revenge

Lange mußte ich nicht warten …

Schatz (gestern) : „Wir könnten doch heute eigentlich Pizza essen, oder?“
Cu: „Nö.“
Schatz: „Warum, fehlen Zutaten?
Cu: „Nö. Ich darf nicht backen, weil der Backofen zu viel Strom verbraucht.“
Schatz: „- - - ! (überlegt kurz) Haben wir noch Pommes?“
Cu: „Haben wir.“
Schatz: „Wie wäre es dann mit Currywurst und Pommes?“
Cu: „Dann müßte ich ja die Fritteuse anmachen. Das geht nicht, weil die auch zu viel Strom …“

Das war der Moment, als ich fluchtartig die Küche verließ.
Zu finden in: Reiterstübchen

Freitag, 17. Juni 2011

Gewitter!

Hier im Norden sind die Abende zur Zeit sehr lang. Das führt bei weiter südlich aufgewachsenen Menschen wie mir gern mal dazu, daß man sich schwer verschätzt, wie spät es eigentlich tatsächlich ist, und in der Folge dazu, daß man häufig später ins Bett kommt als wünschenswert wäre.

So war es auch gestern – der Schatz schlummerte schon selig auf dem Sofa, und ich war noch mit einer Stricksocke beschäftigt und wurde plötzlich gewahr, daß es schon auf Mitternacht ging. Also wurden die Hunde noch flugs gefüttert, und ich machte mich gerade bettfertig, als die ersten Donnergrummler zu hören waren und Regen einsetzte. Ach was sage ich – REGEN!

Nun hat niemand von uns ein Problem mit Gewitter. Nur der Spitz, der stirbt dann tausend Tode, wenn es draußen grollt und knallt. Er, der sonst jeden verbellt, der sich auch nur auf Sichtweite dem Haus nähert, verkroch sich als kleines Häuflein Elend neben-hinter-unter meinem Bett und hechelte, daß an Schlaf erst mal nicht mehr zu denken war.

Dann war das Donnerrollen vorbei, und das Hecheln wandelte sich zu Herumrennen und Winseln. Die Innereien des verstörten Heldenhundes forderten dringendste Entleerung. Der Schatz (bereits schlaffertig) bewegte sich nicht. Vielen Dank - ich durfte mich aus dem Bett schälen, anziehen und den quiekenden Hund schnappen. Während wir uns noch draußen-fertig machten, legte der Regen immer weiter zu, es klang, als sei die Dusche an.

Also schlich ich um Mitternacht draußen durch die Fluten mit einem entnervten Hund, der sich unbedingt erleichtern mußte, aber nicht wollte, und haßte Haustiere im Allgemeinen, Hunde im Besonderen, Wetter, Universum, Schicksal und die ganze Göttermischpoke gleich mit. Kaum wieder drin, suchte sich der Spitz eilig einen Ort, um sich ungestört zu übergeben. Dann wollte er erneut nach draußen und hatte sich anscheinend einen längeren Spaziergang vorgenommen; jedenfalls machte er keinerlei Anstalten, irgendetwas außer Laufen zu tun. Erst als ein Blitz über den Himmel zuckte, drehte er auf der Pfote um und wollte dringend nach Hause, ließ sich abtrocknen und verschwand wieder neben-hinter-unter meinem Bett. Nur so zur Sicherheit.

Inzwischen war es Eins und hatte aufgehört zu regnen, die Kläranlage tat wieder ihren Dienst, der Wasserstand in den Toiletten war auf die normale Höhe gesunken, und alles im Haus war ruhig. Selbst der Spitz hatte sich weitestgehend beruhigt.

Und plötzlich war es sechs Uhr. Zeit aufzustehen.
Und ich hätte alles für einen Kaffee gegeben, in dem der Löffel stehen bleibt.
Zu finden in: Stall und Weide

Dienstag, 14. Juni 2011

Großverbraucher

„Ich habe“, sagte der Schatz am Wochenende, „jetzt die Stromfresser identifiziert: Die Fritteuse ist es und vor allem der Backofen! Anderthalb Kilowatt die Stunde zieht der weg!“

Aha. Und das heißt? Keine Brote, Brötchen, Braten, Kuchen und Kekse mehr? Flugs bekam ich vorgerechnet, was das Material für ein Weißbrot kostet und was dann noch an Stromkosten dazukommt. Da kann man auch das Toast von Feinkost-Albrecht nehmen, das kommt günstiger.

Tja. Und das heißt? Keine Brote, Brötchen, Braten, Kuchen und Kekse mehr? Man könne es ja noch mal mit so einem Brotbackautomaten versuchen, schlug der Schatz vor. Der verbraucht bestimmt weniger. Und nach dem letzten unrühmlichen Versuch mit so einem Ding habe ich flugs vorgerechnet, wie wenig sinnvoll die Anschaffung eines Automaten, eine Versuchsreihe mit anschließender Entsorgung der Ergebnisse und folgendem Besuch beim örtlichen Bäcker ist.

Ich schätze, ich sitze das einfach aus. Irgendwann fragt der Schatz nach Kuchen.
Zu finden in: Reiterstübchen

Freitag, 10. Juni 2011

Fama

Irgendwie habe ich den größten Teil meines Lebens ja schon gut behütet verbracht. Ich hatte lange nichts mit Streitigkeiten bis vors Gericht, Verleumdung, übler Nachrede oder Schlägereien zu tun oder Stalking, das man früher mal Terrorisieren oder Nachstellen nannte. Davon hatte man bestenfalls gehört, kannte jemanden, der einen kannte, dem so was schon mal zugestoßen war.

Heutigen Tags scheint das immer mehr gängige Praxis zu werden. Wenn irgendetwas nicht paßt, wenn jemand etwas von sich gibt, was nicht gefällt, wenn jemand sich verhält, wie es nicht gefällt, kommt er ins Gerede. Nicht mehr persönlich, das ließe sich vielleicht noch zurückverfolgen; heute geht das ganz bequem online, per SMS, über Twitter. Da läßt man sich in dem einen oder anderen Forum aus, verschickt ein paar Tweets, stellt ein paar Fotos irgendwo ein, kommentiert irgendetwas – und schon ist es getan.

Und das Netz vergißt nichts.

Fama hat eine neue Burg gefunden.
Zu finden in: Reiterstübchen

Utn Peerstall

Das sind keine Haflinger!

gerade im Stall:

Du bist nicht angemeldet.

Stallordnung

Alle Einträge von cu ruadh sind extrem subjektiv und aus persönlichem Erleben entstanden. Anmerkungen und Kommentare sind erwünscht, allerdings bitte ich um einen höflichen und freundlichen Umgangston. Kurz gesagt: Wer pöbelt, suche sich einen anderen Stall!

Besucher im Peerstall:


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