Über die Weiden geschaut

Dienstag, 8. März 2011

Cappuccino-Tag

Heute Nachmittag werden es 15 Jahre sein. Ein halbes Leben.

Du hattest gefragt, ob wir nach Feierabend zusammen einen Kaffee oder so trinken wollten. Es war Freitag, und eigentlich hatte ich einzukaufen; aber in einem Anfall von Abenteuerlust sagte ich dem attraktivsten Kerl der Abteilung zu.

Und so fuhren wir nach Feierabend in die Innenstadt, jeder in seinem Auto. Du hattest einen Besuch der Markthalle vorgeschlagen, für mich damals der Inbegriff des Savoir vivre. Da ging man hin, wenn man wer war, da war alles exklusiv und teuer, da gab es Dinge zu kaufen, die es sonst nur schwer zu kriegen gab. Und da gab es einen kleinen Italiener, zu dem Du mich führtest.

„Ich lad Dich ein“, sagest Du. „Cappuccino?“ Ich sagte ja und suchte uns Plätze, während Du Dich um den Cappuccino kümmertest. Wir standen zusammen an einem kleinen Tischchen am Fenster, plauderten, nippten an unseren Tassen und hatten einen fabelhaften Blick auf die Karmaschstraße. In unmittelbarer Nähe war das Standesamt, eine Hochzeitskolonne fuhr hupend vorbei, ich schmunzelte und sagte: „Schau, wieder zwei, die sich ins Unglück stürzen.“ – „Sag doch nicht so etwas!“ erwidertest Du und sahst irgendwie sehr aufgewühlt aus.

Nach einem weiteren Cappuccino warst Du plötzlich ganz nah und sagtest: „Da ist etwas, was ich schon eine ganze Weile tun möchte.“ Und nahmst mich in die Arme. Da war dieser Duft nach Lederjacke, Duftwasser und nach Dir, den ich nie wieder vergessen habe. Um uns herum waren Leute, geschäftiges Treiben, Lärm und Musik, in dem Moment alles ohne jede Bedeutung.

Ich wurde dessen nicht gewahr, daß mein Leben an jenem Nachmittag eine neue Richtung nahm und völlig aus der Spur zu laufen begann.

Der Cappuccino heute Nachmittag ist ganz allein für Dich.
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Montag, 21. Februar 2011

Telefonat

Es ist inzwischen schon wieder eine ganz beträchtliche Weile her, daß mich der Damalige anrief.

Ich hatte längst ein neues Leben, den Schatz, die Kinder, ein Häuschen bei Hannover. Beim Aufräumen und Aussortieren alter Kisten waren ein paar Dinge zutage getreten, die ihm gehört hatten oder für ihn noch wichtig hätten sein mögen; und nach mehreren vergeblichen Versuchen, sich mit ihm zwecks Übergabe zu verabreden, hatte ich das Ganze kurzerhand in einen Karton gepackt und der Post übergeben. Ich wollte das endlich los sein.

Er rief also an, um sich für die überraschende Sendung zu bedanken. Erzählte mir, was er so machte, wie er an meine Telefonnummer gekommen war. Wie schrecklich sein vierzigster Geburtstag für ihn gewesen war. Von seinen Aktivitäten in einem Verein, in dem wir uns damals kennengelernt hatten und lange gemeinsam Mitglieder gewesen waren. Daß er immer noch nach mir gefragt würde. Daß ihm meine Kreativität fehle.

Ich hörte zu und sagte gelegentlich „aha“ oder „hmhm“. Eine knappe Stunde lang. Und während er wie früher redete, dachte ich: du hast dich überhaupt nicht verändert. Meine Kinder, die nicht die Seinen waren, gingen bereits in die Schule, und er hatte sich nicht ein bißchen verändert in all der Zeit. Stand noch immer dort, wo ich ihn zurückgelassen hatte, wo er schon gestanden hatte, lange bevor ich gegangen war.

Auf seine Frage, ob man sich denn nicht mal wieder treffen wolle, sagte ich, wohl eher nicht.

Es blieb ein eigenartiges Gefühl.
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Dienstag, 15. Februar 2011

Für Rain. Und die Liebste.

Seitdem sie katholiziert wurden, machen sie ja alles mit dem Lieben Gott, die Iren. Wie das bei Dir aussieht, weiß ich natürlich nicht, aber hier ist er für Deine Liebste und Dich, der

Irische Hochzeitssegen

In Eurer Ehe möge es keinen Tag geben, an dem ihr sagen müsst
damals haben wir uns geliebt, heute ist die Liebe gestorben.
Keinen Tag, an dem Ihr sagt:
wir haben keine Freunde, die uns verstehen,
die mit uns sprechen, die uns zuhören,
die uns helfen, die mit uns leiden, die sich mit uns freuen.
Keinen Tag an dem Ihr sagt: ich bin allein, du bist mir fremd!
Ihr möget einander Gutes tun, einander trösten und verzeihen.
Eure Liebe bleibe phantasievoll und lebendig,
und eure Sehnsüchte mögen sich erfüllen.
Die Tür Eurer Wohnung möge offen sein für Menschen,
die Euch wichtig sind und denen Ihr wichtig seid.
Die Rat geben und denen Ihr raten könnt.
Eure Ehe bleibe spannend und Ihr möget alle Spannungen aushalten.
Eure Ehe bleibe glücklich indem Ihr Eurer Treue traut.
Euch in der Treue Gottes aufgehoben wisst.
Dann wird für Euch und für andere
Eure Ehe ein Zeichen der Hoffnung und des Mutes.
Gottes Liebe möge in Eurer Liebe greifbar und spürbar werden,
denn Gott will in uns sichtbar werden.
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Freitag, 11. Februar 2011

...

„Vergib mir – ich habe Schuld auf mich geladen.“

Es gibt Zeiten, da beneide ich die strenggläubigen Katholiken schon irgendwie. Nicht unbedingt um alles, aber dieses Verfahren mit der Beichte ist schon toll. Du gehst hin, redest dir von der Seele, was du meinst auf dich geladen zu haben, bekommst dafür etwas als Buße aufgetragen, und wenn das getan ist, ist es erledigt, und du bist wieder frei von allem. Wenn man denn dran glaubt.

Wie wunderbar einfach das doch wäre.
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Dienstag, 14. Dezember 2010

Komm gut heim, Schatz ...

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Montag, 13. Dezember 2010

Für immer Dein

„Ja, würdest Du denn so einen wie mich überhaupt haben wollen?“

Vier Wochen nach diesem Satz haben wir geheiratet, im Dezember, bei Schnee und Eis. Jetzt am Wochenende hat sich der Tag gejährt, ein Kinderleben ist es her; und genauso still, wie wir geheiratet haben, feiern wir auch diesen unseren Tag nur mit einem schönen Essen. Sonst nichts.

Ich wollte nicht so einen wie Dich, Schatz, ich wollte Dich, keinen anderen als Dich. Und ich will Dich immer noch. Alles, was ich bin, trägst Du mit Dir. Du bist mein Zuhause, und ich möchte nirgendwo anders mehr sein als bei Dir. Und wenn ich nur einen Wunsch frei hätte, wünschte ich mir, den Rest meines Lebens mit Dir verbringen zu dürfen.
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Freitag, 19. November 2010

Vorweihnachtszeit II

… eine schöne Zeit voller heimlicher, liebevoller Vorbereitungen, Planungen, Backereien, Kochereien …

Das war einmal.

Wenn die Tage kurz werden, die Weihnachtsdekorationen in den Läden auftauchen und die Zeitschriften von Festtagsmenü- und Weihnachtskeksrezepten nur so wimmeln, schleicht sich ein dunkles, drückendes, unerfreuliches Gefühl ein. Beginnender Alarmzustand.

Es war in der Vorweihnachtszeit, als die Liebe meines Lebens mit Tränen in den Augen sagte, es täte ihm leid, doch es ginge nicht, er könne nicht mit mir zusammen leben, seine Sachen einpackte und ging und mich zurückließ in einem Haufen ungezählter Scherben, der einst mein Leben war.

Es war in der Vorweihnachtszeit, als ich von einem Lehrgang zurückkam und meine Tochter mit gebrochenem Schienbein vorfand, und es war ein Adventssonntag, den ich mit der Hundedame beim Tierarzt für eine Notoperation verbrachte, nicht wissend, ob ich mehr als ein Halsband wieder mit nach Hause bringen würde.

In der Vorweihnachtszeit haben wir erfahren, dass des Schatzes Abteilung verschlankt und „outgesourct“ werden sollte – ohne ihn. Ein paar Jahre später entschloß sich der damalige Arbeitgeber des Schatzes, den Ableger, bei dem er tätig war, zum Jahresende zu schließen und die Mitarbeiter so kurzfristig wie möglich darüber zu informieren.

Und letztes Jahr in der Vorweihnachtszeit standen wir vor einem leeren Stall, weil die junge Dame, die ihre vielen Pferde bei uns einstellen wollte, gar keine Pferde hatte, sondern ein Problem mit der Wirklichkeit. Dafür hatten wir ihren Anwalt am Hals, der noch unbedingt Geld herausschlagen wollte.


Irgendwie hat die Vorweihnachtszeit ihren Glanz verloren.
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Mittwoch, 17. November 2010

Vorweihnachtszeit

Mir ist schon aufgefallen, dass der Schatz in den letzten Tagen immer stiller wurde. Warum, ahnte ich, als eine mail kam mit folgendem Satz: „Ich merke seit einer Weile das ich mich doch recht schwer damit tue hier heimisch zu werden.“

Denn es fehlt an allen Ecken und Enden hier in Ostfriesland, und das merkt man besonders in der Vorweihnachtszeit schmerzlich. Es gibt keine nennenswerten Innenstädte für einen Schaufensterbummel (tatsächlich ist die „Innenstadt“ der Einkaufsstadt Aurich vergleichbar mit Peine – wer weiß, wo das liegt?). Der Auricher Weihnachtsmarkt ist so überschaubar, dass es länger braucht, einen Parkplatz zu finden als über den Weihnachtsmarkt zu schlendern. Es gibt keine „richtigen“ Kaufhäuser, durch die man stöbern kann, weder für Bekleidung noch für Möbel. Selbst der traditionelle Erwerb des Baumes am 23. Dezember ist nahezu unmöglich, da der Ostfriese an sich seinen Baum Ende November erwirbt, und danach „is up“. Von „mal eben“ bei Freunden zum Adventskaffee einzufallen will ich gar nicht mehr reden – bei drei Stunden Anfahrt überlegt man sich das schon …

Wir haben es ja so gewollt.

Aber manchmal …
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Mittwoch, 20. Oktober 2010

November feeling

Es mag an der Jahreszeit liegen, dass manche von uns nachdenklicher werden. Die Tage werden kürzer und dunkler, die Zeit der Ernte ist nahezu vorbei, und das Feuerwerk der Natur ist ein letztes Winken und Fahnenschwenken, bevor sich alles zur Ruhe begibt. Für manche von uns ist diese leise Wehmut der Welt vielleicht spürbarer als für andere und ein Zeichen innezuhalten, zurück-, nach innen zu schauen. Manche von uns haben in dieser Zeit einen breakpoint, der uns stets wieder einholt.

Und dann schauen wir zurück und fragen uns nach dem Warum. Ob es hätte anders laufen können. Wie es ihm/ihr/ihnen jetzt wohl geht. Natürlich wissen wir, dass vergangen und unwandelbar ist, was hinter uns liegt. Natürlich wissen wir, dass das, was hinter uns liegt, uns zu dem gemacht hat, was wir jetzt sind.

Dennoch können wir manchmal nicht loslassen. Etwas nicht als erledigt abhaken und wegpacken. Manchmal tragen wir Dinge lange Zeit mit uns herum und können sie eine Weile ignorieren, bevor sie sich irgendwie wieder Bahn brechen und Raum fordern in unserem Dasein, zumindest aber in unserem Denken. Irgendwie, irgendwann lernen wir vielleicht, damit zu leben. Es zu ertragen.

Und Ihr, die Ihr solche Dinge wegsteckt, abarbeitet und beiseite packen könnt – Ihr wisst gar nicht, wie sehr ich Euch beneide.
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Utn Peerstall

Das sind keine Haflinger!

gerade im Stall:

Du bist nicht angemeldet.

Stallordnung

Alle Einträge von cu ruadh sind extrem subjektiv und aus persönlichem Erleben entstanden. Anmerkungen und Kommentare sind erwünscht, allerdings bitte ich um einen höflichen und freundlichen Umgangston. Kurz gesagt: Wer pöbelt, suche sich einen anderen Stall!

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