Ungelesen II
Liebe Familie,
ich sehe ja ein, es sind Ferien. Da leiden manche von Euch etwas unter Langeweile und wissen nichts mit sich anzufangen; und manche finden es einfach sch…auderhaft, daß die anderen zu Hause sitzen dürfen, während man selbst jeden Tag ins Büro schleichen muß.
Aber mal ganz ehrlich, was kann ich denn dafür!?
Was habe ich denn getan, daß Ihr mich jetzt als Puffer, Rammbock, Frusteimer und Prügelknabe benutzt?
Liebes Tochterkind, Du hast nicht die leiseste Vorstellung davon, wie unendlich leid es mir tut, daß Du nicht wie Wendy Thorsteeg auf Gut Rosenborg lebst, sondern nur bei uns, Deinen in jeder Beziehung minderbemittelten Eltern, auf einem runtergewirtschafteten Pferdehof mit einem – Deinen! – jungen Pferd, das so gern mit Dir arbeiten würde. Wenn Du es denn nur wolltest. Ich bedaure es aus tiefstem Herzen, nicht Zeit und Geld im Überfluß zur Verfügung zu haben, um Dich durch die Weltgeschichte zu fahren, Dir überflüssige Dinge zu kaufen, Leute für die Arbeit einzustellen und die Zeit so totzuschlagen, wie Du es gern hättest (by the way, wie hättest Du es denn gern?). Leider muß ich für das Geld arbeiten, das Du so großzügig zum Fenster rauswerfen magst, was meine freie Zeiteinteilung etwas behindert. Ganz ehrlich, Dich so leiden zu sehen, bricht mir das Herz.
[Ironiemodus off]
Liebster Schatz, Kinder zu haben war Dein allergrößter Wunsch. Meiner nicht so. Warum muß ich das jetzt ausbaden? Ich verstehe ja, daß Dich die kleine Kröte mit ihren unverschämten Forderungen und Beleidigungen nervt. Es geht mir übrigens nicht viel anders. Am liebsten würde ich sie übers Knie legen und tüchtig verhauen; mein zivilisiertes, zurückhaltendes Wesen verbietet mir das leider. Aber mich jetzt vorzuschieben und zu verkünden „ich rede mit dem Gör nur noch das Allernötigste“, wo Du genau weißt, daß ich mit ihr keine gemeinsame Basis habe, weder der Kommunikation noch sonst irgendeine – das finde ich in höchstem Maß unfair. Du verpieselst Dich, und ich muß das irgendwie hinbekommen. Vielen Dank dafür.
Lieber Sohn, Du gerätst da jetzt gerade irgendwie zwischen die Fronten. Das hast Du nicht verdient, vor allem, wo Du seit geraumer Zeit wirklich bemüht bist, ein hilfreiches und unverzichtbares Mitglied der Gemeinschaft zu sein. Laß uns einfach ein Eis essen fahren oder eine Pizza oder am besten machen wir uns irgendwo einen schönen Tag. In Hamburg war ich lange nicht und Du glaube ich noch gar nicht. Eis gibt es da übrigens auch.
ich sehe ja ein, es sind Ferien. Da leiden manche von Euch etwas unter Langeweile und wissen nichts mit sich anzufangen; und manche finden es einfach sch…auderhaft, daß die anderen zu Hause sitzen dürfen, während man selbst jeden Tag ins Büro schleichen muß.
Aber mal ganz ehrlich, was kann ich denn dafür!?
Was habe ich denn getan, daß Ihr mich jetzt als Puffer, Rammbock, Frusteimer und Prügelknabe benutzt?
Liebes Tochterkind, Du hast nicht die leiseste Vorstellung davon, wie unendlich leid es mir tut, daß Du nicht wie Wendy Thorsteeg auf Gut Rosenborg lebst, sondern nur bei uns, Deinen in jeder Beziehung minderbemittelten Eltern, auf einem runtergewirtschafteten Pferdehof mit einem – Deinen! – jungen Pferd, das so gern mit Dir arbeiten würde. Wenn Du es denn nur wolltest. Ich bedaure es aus tiefstem Herzen, nicht Zeit und Geld im Überfluß zur Verfügung zu haben, um Dich durch die Weltgeschichte zu fahren, Dir überflüssige Dinge zu kaufen, Leute für die Arbeit einzustellen und die Zeit so totzuschlagen, wie Du es gern hättest (by the way, wie hättest Du es denn gern?). Leider muß ich für das Geld arbeiten, das Du so großzügig zum Fenster rauswerfen magst, was meine freie Zeiteinteilung etwas behindert. Ganz ehrlich, Dich so leiden zu sehen, bricht mir das Herz.
[Ironiemodus off]
Liebster Schatz, Kinder zu haben war Dein allergrößter Wunsch. Meiner nicht so. Warum muß ich das jetzt ausbaden? Ich verstehe ja, daß Dich die kleine Kröte mit ihren unverschämten Forderungen und Beleidigungen nervt. Es geht mir übrigens nicht viel anders. Am liebsten würde ich sie übers Knie legen und tüchtig verhauen; mein zivilisiertes, zurückhaltendes Wesen verbietet mir das leider. Aber mich jetzt vorzuschieben und zu verkünden „ich rede mit dem Gör nur noch das Allernötigste“, wo Du genau weißt, daß ich mit ihr keine gemeinsame Basis habe, weder der Kommunikation noch sonst irgendeine – das finde ich in höchstem Maß unfair. Du verpieselst Dich, und ich muß das irgendwie hinbekommen. Vielen Dank dafür.
Lieber Sohn, Du gerätst da jetzt gerade irgendwie zwischen die Fronten. Das hast Du nicht verdient, vor allem, wo Du seit geraumer Zeit wirklich bemüht bist, ein hilfreiches und unverzichtbares Mitglied der Gemeinschaft zu sein. Laß uns einfach ein Eis essen fahren oder eine Pizza oder am besten machen wir uns irgendwo einen schönen Tag. In Hamburg war ich lange nicht und Du glaube ich noch gar nicht. Eis gibt es da übrigens auch.
cu ruadh - 27. Jul, 13:34
Zu finden in: Privat!
