Freitag, 6. Mai 2011

Ungelesen

Liebe Mama,

gestern war es ein Jahr her, daß Du weggegangen bist. Inzwischen ist mein Gemüsegarten ganz schön angewachsen – weißt Du noch, wie zweifelnd Du geguckt hast, als ich Dir gezeigt habe, wo er hin soll? – , und wir können von Dir erzählen, ohne daß mir die Stimme wegbricht.

Aber es hat sich auch ziemlich viel verändert seitdem. Offenbar warst Du diejenige, die alles zusammengehalten hat. Mein Zuhause ist ja schon lange woanders, doch ein Teil von mir war die ganze Zeit bei Dir, bei Euch daheim; und dieser Teil ist immer noch ein wenig verloren. Du warst immer da, mein ganzes Leben lang, und dann plötzlich nicht mehr, und ich hatte vorher nie richtig bemerkt, wie wichtig Du eigentlich warst. So viele Fragen bin ich nicht mehr losgeworden!

Inzwischen verstehe ich vieles besser. Warum Du so warst und die Dinge so geregelt hast, wie Du es getan hast. Mit dem meisten bin ich heute so wenig einverstanden wie damals, aber immerhin kann ich es jetzt nachvollziehen, auch dank Tochterkind. Ich fürchte, sie ist mir sehr ähnlich, und sie hat oft so viel Ähnlichkeit mit Dir! Und ich glaube, sie vermißt Dich manchmal sehr. Sie hat das kleine Fotoalbum von einem der Urlaube mit Euch unter ihrem Kopfkissen liegen, und Waldfee ist immer noch eines der liebsten Kuscheltiere. Von uns allen nimmt Tochterkind es wohl am schwersten, aber Du weißt ja auch, sie spricht nicht viel über die Dinge, die sie sehr bewegen. Selbst Papa scheint vergleichsweise zügig über Deinen Weggang hinweggekommen zu sein und sich sein „neues“ Leben gut eingerichtet zu haben. Er hätte Dich übrigens an der Herz-Lungen-Maschine gelassen, damit er nicht so allein gewesen wäre. Gut, daß Du es doch noch so einrichten konntest, wie es Deinem Wunsch entsprach.

Ich hoffe sehr, alles ist so, wie Du es Dir gewünscht hättest, da wo Du jetzt bist, und auch die Schwester, die ich nie kennengelernt habe, ist da. Wahrscheinlich ist sie immer noch klein – wofür hättest Du sonst all die Kätzchen, Meerschweinchen und Kaninchen letztes Jahr gebraucht? Bitte schau hin und wieder mal nach den Fellknäueln, bis ich sie abhole. Und vielleicht könntest Du Papa noch irgendwie dazu bringen, mir dieses eine Foto von Dir zu schicken. Du weißt schon, wo Du als junges Mädchen zu sehen bist. Du warst so hübsch!

Es wird sicherlich noch eine Weile dauern, aber wir sehen uns dann irgendwann. Ich bin sicher. Wahrscheinlich werde ich nicht weit von Dir auf dem Hof nebenan wohnen. Aber bis dahin ist noch ein bißchen Zeit.

Einstweilen alles Liebe.
Zu finden in: Über die Weiden geschaut

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