Meine lieben Schwiegereltern*,
inzwischen frage ich mich schon, was Euch eigentlich reitet.
Ich meine, Ihr habt vor Jahren ein Haus überschrieben bekommen, das Euch bis heute keinen Cent gekostet hat. Die Großeltern haben es mit eigener Hände Arbeit gebaut und alles selbst finanziert, zum Teil über einen langen Zeitraum zusammengetragen und über Jahrzehnte hinweg liebevoll gepflegt. Mit all dem hattet Ihr nie etwas zu tun – weder ist von Euch erwartet worden, irgendwelche Tätigkeiten zu investieren, noch ist je Geld von Euch verlangt worden. Und nur weil der Großvater dem Staat nichts schenken wollte, hat er Euch das Eigentum übertragen, bevor Erbschaftssteuern fällig würden.
Nun ist die Großmutter nicht mehr da, und der Großvater würde das Haus zu gern verkaufen, um sich seine letzten paar Jahre (vielleicht sind es auch nur noch Monate, immerhin ist er deutlich über 90) daraus zu finanzieren. Und alles, was Euch dazu einfällt, ist, daß es Euer Haus ist und es nicht verkauft wird, so lange er sein Nutzungsrecht nicht vorher aufgibt? Daß der Großvater nur durch Eure Gnade und Freundlichkeit weiterhin darin wohnen (und dafür zahlen!) darf? Und ihm dafür noch Schäbigkeit vorwerft?
Ihr könnt mit dem Haus doch gar nichts anfangen außer es zu verkaufen; immerhin habt Ihr selbst doch so eine Prachthütte gebaut (übrigens mit Hilfe der Großeltern), in der sich außer Euch wahrscheinlich niemand wirklich wohlfühlen mag. Und wenn es verkauft wird, warum kann man sich dann nicht über eine Verteilung des Erlöses einigen? Schließlich habt Ihr nie etwas dafür tun müssen. Es ist Euch geschenkt worden. Und jetzt führt Ihr Euch auf, als sei es ein unmoralisches Ansinnen, daß der, der es gebaut, bezahlt und erhalten hat, einen Teil daraus zurückhaben möchte!
Nun, so wie es aussieht, habt Ihr Euer Ziel fast erreicht. Der Großvater ist jetzt im Krankenhaus und gibt gerade auf. Sich mit Euch zu streiten. Zu leben. Ich hoffe, Ihr seid zufrieden mit Euch.
Der Schatz, mein über alles geliebter Ehemann, Euer Sohn, Euer einziges Kind, schämt sich mittlerweile für Euch. Darauf seid Ihr hoffentlich auch stolz.
Höflichst
_______________
*Versteht die Anrede bitte nicht falsch. Man sagt ja auch „mein lieber Herr Gesangsverein“.
Ich meine, Ihr habt vor Jahren ein Haus überschrieben bekommen, das Euch bis heute keinen Cent gekostet hat. Die Großeltern haben es mit eigener Hände Arbeit gebaut und alles selbst finanziert, zum Teil über einen langen Zeitraum zusammengetragen und über Jahrzehnte hinweg liebevoll gepflegt. Mit all dem hattet Ihr nie etwas zu tun – weder ist von Euch erwartet worden, irgendwelche Tätigkeiten zu investieren, noch ist je Geld von Euch verlangt worden. Und nur weil der Großvater dem Staat nichts schenken wollte, hat er Euch das Eigentum übertragen, bevor Erbschaftssteuern fällig würden.
Nun ist die Großmutter nicht mehr da, und der Großvater würde das Haus zu gern verkaufen, um sich seine letzten paar Jahre (vielleicht sind es auch nur noch Monate, immerhin ist er deutlich über 90) daraus zu finanzieren. Und alles, was Euch dazu einfällt, ist, daß es Euer Haus ist und es nicht verkauft wird, so lange er sein Nutzungsrecht nicht vorher aufgibt? Daß der Großvater nur durch Eure Gnade und Freundlichkeit weiterhin darin wohnen (und dafür zahlen!) darf? Und ihm dafür noch Schäbigkeit vorwerft?
Ihr könnt mit dem Haus doch gar nichts anfangen außer es zu verkaufen; immerhin habt Ihr selbst doch so eine Prachthütte gebaut (übrigens mit Hilfe der Großeltern), in der sich außer Euch wahrscheinlich niemand wirklich wohlfühlen mag. Und wenn es verkauft wird, warum kann man sich dann nicht über eine Verteilung des Erlöses einigen? Schließlich habt Ihr nie etwas dafür tun müssen. Es ist Euch geschenkt worden. Und jetzt führt Ihr Euch auf, als sei es ein unmoralisches Ansinnen, daß der, der es gebaut, bezahlt und erhalten hat, einen Teil daraus zurückhaben möchte!
Nun, so wie es aussieht, habt Ihr Euer Ziel fast erreicht. Der Großvater ist jetzt im Krankenhaus und gibt gerade auf. Sich mit Euch zu streiten. Zu leben. Ich hoffe, Ihr seid zufrieden mit Euch.
Der Schatz, mein über alles geliebter Ehemann, Euer Sohn, Euer einziges Kind, schämt sich mittlerweile für Euch. Darauf seid Ihr hoffentlich auch stolz.
Höflichst
_______________
*Versteht die Anrede bitte nicht falsch. Man sagt ja auch „mein lieber Herr Gesangsverein“.
cu ruadh - 27. Jan, 12:49
Zu finden in: Reiterstübchen
romeomikezulu - 27. Jan, 14:53
Das ist in der Tat mehr als schäbig, und es macht verständlich, warum so viele ältere Menschen sich gegenseitig zuflüstern
"Gib Deinen Kindern auf keinen Fall das Haus, solange Du noch lebst, Du wirst es sonst bereuen!"
Leider gibt es viel zu viele Geschichten wie diese.
Wichtig nur, dass Dein Mann auf der richtigen Seite der Einstellung steht.
"Gib Deinen Kindern auf keinen Fall das Haus, solange Du noch lebst, Du wirst es sonst bereuen!"
Leider gibt es viel zu viele Geschichten wie diese.
Wichtig nur, dass Dein Mann auf der richtigen Seite der Einstellung steht.
cu ruadh - 30. Jan, 14:05
Was ist denn die "richtige Seite" ?
Der Schatz war am Wochenende beim Großvater und ist seit seiner Rückkehr völlig am Boden zerstört. Es fehlt ihm (und mir) jedes Verständnis dafür, wie man mit jemandem, der sein Leben lang so freundlich, so hilfsbereit und so selbstlos der Familie gegenüber gewesen ist, so umspringen kann.
Und meine Gedanken dazu hier zu posten, ist nur Ausdruck meiner eigenen Hilflosigkeit. Es steht mir nicht an, dazu irgendwas zu sagen.
Aber es wird eine Gelegenheit geben, das noch loszuwerden.
Ich bin sicher.
Der Schatz war am Wochenende beim Großvater und ist seit seiner Rückkehr völlig am Boden zerstört. Es fehlt ihm (und mir) jedes Verständnis dafür, wie man mit jemandem, der sein Leben lang so freundlich, so hilfsbereit und so selbstlos der Familie gegenüber gewesen ist, so umspringen kann.
Und meine Gedanken dazu hier zu posten, ist nur Ausdruck meiner eigenen Hilflosigkeit. Es steht mir nicht an, dazu irgendwas zu sagen.
Aber es wird eine Gelegenheit geben, das noch loszuwerden.
Ich bin sicher.
romeomikezulu - 6. Feb, 21:26
Die "richtige Seite" ist die Seite, auf der das Gütige, das Gute, das Gerechte steht.
Schau Dich nur um, es ist jene, auf der auch Du stehst.
Schau Dich nur um, es ist jene, auf der auch Du stehst.
cu ruadh - 8. Feb, 19:36
Wie überall gibt es auch hier mehrere Sichtweisen, haben wir inzwischen festgestellt; die Schwiegereltern sehen das alles in einem völlig anderen Licht.
Was definitiv nichts an unserer Einstellung ändert - es gibt kein passenderes Wort als schäbig.
Was definitiv nichts an unserer Einstellung ändert - es gibt kein passenderes Wort als schäbig.

Ich wünsche alles Gute !
Das hoffen wir auch sehr, daß der alte Herr sich noch mal berappeln möge. Aber am Wochenende sah es nicht so gut aus.