Blüten
Als des Schatzes Großmutter letztes Jahr starb, war es Dezember, einer von zwei Blumenläden in erreichbarer Nähe hatte „vorübergehend“ auf unbestimmte Zeit geschlossen (mit dem anderen machen wir keine Geschäfte mehr, aber das ist eine andere Geschichte) , und das Angebot an beileidsbekundungsfähigem Grün- und Buntzeug war stark eingeschränkt. Und da es einfach blöd ist, zu einer Trauerfeier, vor allem eines geliebten Menschen, ohne angemessenes Geblüm zu erscheinen*, mußte dringend eine brauchbare Lösung her.
Wir erstürmten den nächsten Baumarkt in der Hoffnung, wenigstens in der Inhouse-Blumenabteilung fündig zu werden. Alles, was es außer Blattgrün noch gab, waren Orchideen in Weiß und Violett, wie die Oma sie immer im Blumenfenster hatte. Das gab die zündende Idee – zwei Rispen der filigranen Blüten mit ein paar Koniferenzweigen arrangiert und mit passendem violetten Band dekoriert!
Leider war Violett letzten Winter nicht in Mode.
Weiß tat es dann auch, der Schatz zog mit einem hübschen, sündteuer aussehenden Gebinde los, und ich stand mit ein paar schmucklosen Blättern in einem Blumentopf da. Eigentlich wollte ich sie schon entsorgen, aber es widerstrebt mir, Lebendes wegzuwerfen, und so fand die Pflanze den Weg auf meine Fensterbank und wurde so nebenbei mit versorgt.
Auf den Tag genau ein halbes Jahr nach dem Tod der Oma folgte ihr der Opa nach. Ohne sein Käthel, wie er sie immer liebevoll genannt hatte, hatte sein Leben wohl keinen Sinn mehr für ihn. An diesem Tag entdeckte ich die neue Blütenrispe.
Anfang August hätte der Opa Geburtstag gehabt, und die Orchidee stand in voller Blüte. Als wollte die Oma uns sagen: Es ist gut so.
________
*Ich weiß das aus eigener Erfahrung – „Du brauchst keine Blumen mitbringen, das wird hinterher sowieso nur weggeschmissen, spart das Geld lieber“, sagte Papa anläßlich Mamas Trauerfeier. Wir waren die Einzigen, und ich habe mich in Grund und Boden geschämt.
Wir erstürmten den nächsten Baumarkt in der Hoffnung, wenigstens in der Inhouse-Blumenabteilung fündig zu werden. Alles, was es außer Blattgrün noch gab, waren Orchideen in Weiß und Violett, wie die Oma sie immer im Blumenfenster hatte. Das gab die zündende Idee – zwei Rispen der filigranen Blüten mit ein paar Koniferenzweigen arrangiert und mit passendem violetten Band dekoriert!
Leider war Violett letzten Winter nicht in Mode.
Weiß tat es dann auch, der Schatz zog mit einem hübschen, sündteuer aussehenden Gebinde los, und ich stand mit ein paar schmucklosen Blättern in einem Blumentopf da. Eigentlich wollte ich sie schon entsorgen, aber es widerstrebt mir, Lebendes wegzuwerfen, und so fand die Pflanze den Weg auf meine Fensterbank und wurde so nebenbei mit versorgt.
Auf den Tag genau ein halbes Jahr nach dem Tod der Oma folgte ihr der Opa nach. Ohne sein Käthel, wie er sie immer liebevoll genannt hatte, hatte sein Leben wohl keinen Sinn mehr für ihn. An diesem Tag entdeckte ich die neue Blütenrispe.
Anfang August hätte der Opa Geburtstag gehabt, und die Orchidee stand in voller Blüte. Als wollte die Oma uns sagen: Es ist gut so.
________
*Ich weiß das aus eigener Erfahrung – „Du brauchst keine Blumen mitbringen, das wird hinterher sowieso nur weggeschmissen, spart das Geld lieber“, sagte Papa anläßlich Mamas Trauerfeier. Wir waren die Einzigen, und ich habe mich in Grund und Boden geschämt.
cu ruadh - 31. Aug, 14:29
Zu finden in: Reiterstübchen
