Streß im Stall
Schecki ist seit November Selbstversorger-Gast bei uns. Das heißt, ihr Frauchen - Pferdewirtin sei sie, wußte sie stolz zu verkünden, eine Berufsbezeichnung, die mir inzwischen die Tränen in die Augen treibt – kümmert sich um Futter und Einstreu selbst. Klappte auch ganz gut.
Bis Anfang Januar das Heu (“Heu haben wir noch jede Menge, das ist noch das vom Vorjahr!“) zu Ende ging. Also rief ich die Pferdewirtin an, um ihr zu sagen, daß ihr Pferd noch für einen Tag Heu habe. Sie kam eilig und brachte - einen HD*-Ballen. Das reicht für zwei Tage. Okay, dachte ich, dann wird sie wohl in Kürze mehr bringen. Nö. Also wieder anrufen und erinnern. So ging das ein paarmal, bis …
Cu: „Sag mal, schaust du auch mal nach, ob noch genügend Heu für dein Pferd da ist?“
PW: „Nö … wieso?“
Es wurde etwas besser. Dann kam die Ansage, sie hätte kaum noch Heu in HD*-Ballen, ob sie denn auch einen Rundballen herstellen könne; und sie hätte auch keine HD*-Ballen Stroh mehr, die seien alle auseinandergefallen, und sie hätte nun ein Problem mit der Einstreu.
Cu: „Beim Landhandel kann man Einstreu in Ballen kaufen. Eingeschweißt.“
PW: „Nee, das ist zu teuer. Das will mein Mann nicht.“
Cu: „Dann könntest du das lose Zeug auf einen Anhänger schaufeln und hier in eine der alten Boxen schütten, bis du es brauchst.“
PW: „Ach … das fliegt ja alles weg …“
Cu: „Nimm einen Anhänger mit Plane.“
PW: „Es fliegt ja trotzdem …“
Cu: „Du könntest es auch in große Müllsäcke füllen.“
PW: „Jaa … nö …“
Ein ganz ähnliches Gespräch ergab sich übrigens mit dem Herrn Gemahl der Pferdewirtin, als er den Rundballen Heu anlieferte.
Der Ballen war dreckig und etwas gammlig außen, was mich zu einem argwöhnischen Blick veranlaßte und ihn zu der Erklärung, da müsse man nur die äußeren zwei, drei Runden abmachen, der Rest sei sicherlich gut. Und sie hätten noch siebzehn weitere Ballen, die sie wohl würden verkaufen müssen, wo sie ja noch so viel Heu zu liegen hätten. Wir machten den Drecksballen des Abends auf, schälten die äußeren fünf bis sechs Runden ab und informierten die Pferdewirtin, sie möge den nächsten Tag erscheinen, sich den Ballen anschauen und alles abmachen, von dem sie meinte, man könne es nicht verfüttern, bis dahin bekäme Schecki von unserem Heu.
Was wir dann vorfanden, war immer noch nichts, was wir unseren Pferden gegeben hätten. Schecki sah das ganz ähnlich, hatte aber keine Wahl; und nach drei Tagen tauchten plötzlich wieder ein paar HD*-Ballen Heu auf.
Als ich gestern in den Stall kam, war der Drecksballen verschwunden. Dafür stand da ein schimmliges, nasses, stinkendes Ding, das ich nach einigem Überlegen als Silage**-Ballen klassifizierte. Für Nichtpferdebesitzer ist mein Entsetzen kaum nachvollziehbar – stell Dir vor, jemand stellt Dir einen Salatteller hin, der vorgestern seine Haltbarkeit überschritten hat und seitdem nicht im Kühlschrank war, dann hast Du in etwa eine Vorstellung von dem Drecksballen Heu. Jetzt stellt jemand stattdessen einen Salatteller mit Yoghurt-Dressing hin, der ein paar Tage im Sommer draußen gestanden hat. Lecker!
Wenn man Silage-Ballen öffnet, wird er warm. Dieser wurde innerhalb weniger Stunden so warm, daß wir Schlimmes befürchteten, zumal der Stinker direkt neben unserer Heulage*** platziert war. Die Pferdewirtin wurde gebeten, die Silage unverzüglich aus dem Stall zu entfernen. Jetzt könne sie aber nicht. Also haben wir den Stinker aus dem Stall gerollt. Gute Entscheidung, denn trotzdem er über Nacht draußen gelegen hat, ist die Temperatur beträchtlich angestiegen.
Ich schätze, Schecki wird uns spätestens zum Monatsende verlassen.
__________________
*HD = Hochdruck. Handliche kleine Ballen Heu oder Stroh, die auch von Frauenhand bequem zu bewegen sind
**Silage ist Gras, das gemäht, nach einem Tag Liegezeit in Ballen gepreßt und in Folie gewickelt wird. Eigentlich als Kuhfutter gedacht, für Pferde nur unter größten Vorbehalt geeignet
***Heulage ist Gras, das gemäht und nicht mehr richtig trocken geworden ist, bevor es in Ballen gepreßt und ebenfalls in Folie gewickelt wird. Für Pferde unter Umständen geeignet
Bis Anfang Januar das Heu (“Heu haben wir noch jede Menge, das ist noch das vom Vorjahr!“) zu Ende ging. Also rief ich die Pferdewirtin an, um ihr zu sagen, daß ihr Pferd noch für einen Tag Heu habe. Sie kam eilig und brachte - einen HD*-Ballen. Das reicht für zwei Tage. Okay, dachte ich, dann wird sie wohl in Kürze mehr bringen. Nö. Also wieder anrufen und erinnern. So ging das ein paarmal, bis …
Cu: „Sag mal, schaust du auch mal nach, ob noch genügend Heu für dein Pferd da ist?“
PW: „Nö … wieso?“
Es wurde etwas besser. Dann kam die Ansage, sie hätte kaum noch Heu in HD*-Ballen, ob sie denn auch einen Rundballen herstellen könne; und sie hätte auch keine HD*-Ballen Stroh mehr, die seien alle auseinandergefallen, und sie hätte nun ein Problem mit der Einstreu.
Cu: „Beim Landhandel kann man Einstreu in Ballen kaufen. Eingeschweißt.“
PW: „Nee, das ist zu teuer. Das will mein Mann nicht.“
Cu: „Dann könntest du das lose Zeug auf einen Anhänger schaufeln und hier in eine der alten Boxen schütten, bis du es brauchst.“
PW: „Ach … das fliegt ja alles weg …“
Cu: „Nimm einen Anhänger mit Plane.“
PW: „Es fliegt ja trotzdem …“
Cu: „Du könntest es auch in große Müllsäcke füllen.“
PW: „Jaa … nö …“
Ein ganz ähnliches Gespräch ergab sich übrigens mit dem Herrn Gemahl der Pferdewirtin, als er den Rundballen Heu anlieferte.
Der Ballen war dreckig und etwas gammlig außen, was mich zu einem argwöhnischen Blick veranlaßte und ihn zu der Erklärung, da müsse man nur die äußeren zwei, drei Runden abmachen, der Rest sei sicherlich gut. Und sie hätten noch siebzehn weitere Ballen, die sie wohl würden verkaufen müssen, wo sie ja noch so viel Heu zu liegen hätten. Wir machten den Drecksballen des Abends auf, schälten die äußeren fünf bis sechs Runden ab und informierten die Pferdewirtin, sie möge den nächsten Tag erscheinen, sich den Ballen anschauen und alles abmachen, von dem sie meinte, man könne es nicht verfüttern, bis dahin bekäme Schecki von unserem Heu.
Was wir dann vorfanden, war immer noch nichts, was wir unseren Pferden gegeben hätten. Schecki sah das ganz ähnlich, hatte aber keine Wahl; und nach drei Tagen tauchten plötzlich wieder ein paar HD*-Ballen Heu auf.
Als ich gestern in den Stall kam, war der Drecksballen verschwunden. Dafür stand da ein schimmliges, nasses, stinkendes Ding, das ich nach einigem Überlegen als Silage**-Ballen klassifizierte. Für Nichtpferdebesitzer ist mein Entsetzen kaum nachvollziehbar – stell Dir vor, jemand stellt Dir einen Salatteller hin, der vorgestern seine Haltbarkeit überschritten hat und seitdem nicht im Kühlschrank war, dann hast Du in etwa eine Vorstellung von dem Drecksballen Heu. Jetzt stellt jemand stattdessen einen Salatteller mit Yoghurt-Dressing hin, der ein paar Tage im Sommer draußen gestanden hat. Lecker!
Wenn man Silage-Ballen öffnet, wird er warm. Dieser wurde innerhalb weniger Stunden so warm, daß wir Schlimmes befürchteten, zumal der Stinker direkt neben unserer Heulage*** platziert war. Die Pferdewirtin wurde gebeten, die Silage unverzüglich aus dem Stall zu entfernen. Jetzt könne sie aber nicht. Also haben wir den Stinker aus dem Stall gerollt. Gute Entscheidung, denn trotzdem er über Nacht draußen gelegen hat, ist die Temperatur beträchtlich angestiegen.
Ich schätze, Schecki wird uns spätestens zum Monatsende verlassen.
__________________
*HD = Hochdruck. Handliche kleine Ballen Heu oder Stroh, die auch von Frauenhand bequem zu bewegen sind
**Silage ist Gras, das gemäht, nach einem Tag Liegezeit in Ballen gepreßt und in Folie gewickelt wird. Eigentlich als Kuhfutter gedacht, für Pferde nur unter größten Vorbehalt geeignet
***Heulage ist Gras, das gemäht und nicht mehr richtig trocken geworden ist, bevor es in Ballen gepreßt und ebenfalls in Folie gewickelt wird. Für Pferde unter Umständen geeignet
cu ruadh - 23. Feb, 13:58
Zu finden in: Stall und Weide
