Na und?
Sehr geehrter Herr Bundespräsi…
- Was schreibe ich da eigentlich? Eigentlich finde ich nicht, daß Sie besondere Ehren verdient haben. Oder Ehren überhaupt. Also doch eher so:
Guten Tag, Herr Bundespräsident.
Wahrscheinlich geht es mich Ihrer Meinung nach gar nichts an. Ich bin ja nur Bürger, Steuerzahlende und Stimmvieh, und – um der Wahrheit den Vorzug zu geben – ich hätte Sie auch nicht gewählt. Hab ich schon nicht, als Sie sich anschickten, Ministerpräsident in Niedersachsen zu werden. Da Sie aber derzeit das höchste Amt im Staat bekleiden, glaube ich durchaus, das Recht zu haben, meine Meinung zu Ihrem Gebaren kundzutun.
Der Bundespräsident ist die höchste moralische Instanz unseres Landes. So habe ich es mal gelernt. Das heißt, an dem, was der Bundespräsident tut, soll sich jeder andere messen lassen. So, wie Sie das praktizieren, ist es demzufolge opportun, Vorteile mitzunehmen, wo immer sie sich bieten, sich einladen und freihalten zu lassen, darauf hinzuweisen, daß man als Minister- oder Bundespräsident schließlich ein Anrecht auf bevorzugte Behandlung habe, und jedwede Vergünstigung einzustreichen, die sich bietet. Alles, was Sie bislang dazu zu sagen hatten, war ein wortreicheres „Na und?“
Genau betrachtet, ist das ja aber auch nur das, was uns Politik und Wirtschaft seit etlichen Jahren vorleben. Wie man dann gleichzeitig erwarten kann, daß der arbeitende Bürger brav alle anfallenden Steuern und Gebühren zahlt und eine aufrichtige Einkommenssteuererklärung abgibt oder eine Beschäftigung annimmt, bei der er de facto draufzahlt, bleibt mir ein Rätsel.
„Wir als die Anführer unserer Völker müssen besser sein als jeder andere, da wir ihnen Beispiel und Vorbild sein müssen.“ Diesen Satz las ich letztens in einem Fantasy-Roman. Und ganz ehrlich – ich finde es traurig, daß derlei Dinge, diese Einstellung inzwischen ins Reich der Fantasie entschwindet. Was ist geworden aus Aufrichtigkeit, Worttreue, Loyalität, Integrität? Wie können Sie solche Eigenschaften von anderen erwarten, wenn Sie sie selbst in den Dreck treten?
Zum Schluß gestatten Sie mir noch die Frage: Nachdem Sie „physische Schmerzen“ erlitten haben, als einer Ihrer Amtsvorgänger seine Flugreisen nicht eindeutig belegen konnte – wie geht es Ihnen dann jetzt? Und können Sie dem Kerl, der Ihnen da jeden Morgen aus dem Spiegel entgegen sieht, noch in die Augen schauen?
Höflichst,
Cu ruadh
- Was schreibe ich da eigentlich? Eigentlich finde ich nicht, daß Sie besondere Ehren verdient haben. Oder Ehren überhaupt. Also doch eher so:
Guten Tag, Herr Bundespräsident.
Wahrscheinlich geht es mich Ihrer Meinung nach gar nichts an. Ich bin ja nur Bürger, Steuerzahlende und Stimmvieh, und – um der Wahrheit den Vorzug zu geben – ich hätte Sie auch nicht gewählt. Hab ich schon nicht, als Sie sich anschickten, Ministerpräsident in Niedersachsen zu werden. Da Sie aber derzeit das höchste Amt im Staat bekleiden, glaube ich durchaus, das Recht zu haben, meine Meinung zu Ihrem Gebaren kundzutun.
Der Bundespräsident ist die höchste moralische Instanz unseres Landes. So habe ich es mal gelernt. Das heißt, an dem, was der Bundespräsident tut, soll sich jeder andere messen lassen. So, wie Sie das praktizieren, ist es demzufolge opportun, Vorteile mitzunehmen, wo immer sie sich bieten, sich einladen und freihalten zu lassen, darauf hinzuweisen, daß man als Minister- oder Bundespräsident schließlich ein Anrecht auf bevorzugte Behandlung habe, und jedwede Vergünstigung einzustreichen, die sich bietet. Alles, was Sie bislang dazu zu sagen hatten, war ein wortreicheres „Na und?“
Genau betrachtet, ist das ja aber auch nur das, was uns Politik und Wirtschaft seit etlichen Jahren vorleben. Wie man dann gleichzeitig erwarten kann, daß der arbeitende Bürger brav alle anfallenden Steuern und Gebühren zahlt und eine aufrichtige Einkommenssteuererklärung abgibt oder eine Beschäftigung annimmt, bei der er de facto draufzahlt, bleibt mir ein Rätsel.
„Wir als die Anführer unserer Völker müssen besser sein als jeder andere, da wir ihnen Beispiel und Vorbild sein müssen.“ Diesen Satz las ich letztens in einem Fantasy-Roman. Und ganz ehrlich – ich finde es traurig, daß derlei Dinge, diese Einstellung inzwischen ins Reich der Fantasie entschwindet. Was ist geworden aus Aufrichtigkeit, Worttreue, Loyalität, Integrität? Wie können Sie solche Eigenschaften von anderen erwarten, wenn Sie sie selbst in den Dreck treten?
Zum Schluß gestatten Sie mir noch die Frage: Nachdem Sie „physische Schmerzen“ erlitten haben, als einer Ihrer Amtsvorgänger seine Flugreisen nicht eindeutig belegen konnte – wie geht es Ihnen dann jetzt? Und können Sie dem Kerl, der Ihnen da jeden Morgen aus dem Spiegel entgegen sieht, noch in die Augen schauen?
Höflichst,
Cu ruadh
cu ruadh - 16. Jan, 12:31
Zu finden in: Reiterstübchen
